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Maut auf Bundesstraßen Ganderkeseer Unternehmen kündigen Kostensteigerung an

Von Marie Busse | 14.06.2018, 11:23 Uhr

In gut drei Wochen kommt die Maut auf deutschen Bundesstraßen. Die Abgabe erhöht die Kosten für Speditionen und Handwerksbetriebe in

Wenn am 1. Juli die Lkw-Maut in Deutschland auf zusätzlich 40000 Bundesstraßenkilometer ausgeweitet wird, fallen für Speditionen höhere Kosten an. Auch örtliche Handwerksbetriebe, die mit Fahrzeugen über 7,5 Tonnen unterwegs sind, werden zur Kasse gebeten.

Spedition erhöht Kosten

„Unsere Transportkosten werden sich durch die Maut um vier Prozent erhöhen. Das geben wir an den Kunden weiter. Das landet dann auch beim Verbraucher“, kündigt Oliver Hanke, Dispositionsleiter bei der Spedition Dittmar in Ganderkesee, an. Bislang waren nur 15000 Autobahnkilometer und bestimmte Bundesstraßen gebührenpflichtig. „Einige Unternehmen weichen jetzt noch auf die Bundesstraße aus“, erklärt Hanke, „das rechnet sich dann nicht mehr.“ In der Gemeinde Ganderkesee werden künftig die Bundesstraßen 212 und 213 mautpflichtig. Die Mautgebühr wird pro Kilometer berechnet.

Durch diese Ausweitung befürchtet Hanke ein noch höheres Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen. „Dann kehren die Lkws zurück auf die Autobahn, doch die Autobahnen sind jetzt schon überlastet“, stellt er klar. Das Verkehrsaufkommen sei in den letzten Jahren ohnehin stark gestiegen.

Nicht zuletzt wegen des Mehraufkommens an Lastern hofft das Bundesverkehrsministerium auf Maut-Mehreinnahmen in Höhe von zwei Millionen Euro. „Das Geld muss dann auch zweckgebunden – in die Straßen – investiert werden. Die Privatisierung von Autobahnen gehört nicht dazu“, fordert Speditionsmitarbeiter Hanke.

Mehrkosten für Handwerk

Auch Kreishandwerksmeisterin Britta Franke aus Ganderkesee macht sich für die Sanierung der Straßen stark, sieht in der Ausweitung der Maut vor allem eine Zusatzbelastung für das regionale Handwerk. „Davon sind fast alle Betriebe betroffen“, stellt Franke klar, „und die Mehrkosten finden sich beim Endverbraucher wieder.“ Die Instandhaltung der Straßen sei eine allgemeine Aufgabe, die einzelne Branchen nicht schultern könnten. Wenn Handwerksbetriebe entferntere Kunden nicht mehr anführen oder die Kosten stark anstiegen, sei das nicht zielführend. „Denn wenn die Kunden wegbleiben, ist niemandem geholfen“, mahnt sie. „Die Arbeitsplätze werden dadurch nicht sicher“, so Franke. Die Maut reihe sich in eine Anzahl von Auflagen und Forderungen ein, mit dem das Handwerk belastet werde. „Die Bürokratie erschwert unseren Arbeitsalltag“, stellt Franke klar.

Nach Angaben der Handwerkskammer Oldenburg ist vor allem das Baugewerbe von der Mautpflicht betroffen, da sie Lkws im Einsatz haben. Dazu zählt auch Friedrich Düßmann von der Zimmerei Düßmann in Ganderkesee. Er ärgert sich über die Maut: „Wir arbeiten im Umkreis von 25 Kilometern, dafür müssen wir jetzt Gebühren bezahlen.“

Kfz- und Mineralölsteuerbelasten schon jetzt

Sein Betrieb trage bereits durch die Kfz- und Mineralölsteuer zum Erhalt der Straßen bei und sei klar vom Transportgewerbe zu unterscheiden. „Die Maut ist deswegen eine nicht nachvollziehbare Belastung für das Handwerk“, betont Düßmann. Bislang kam der Betrieb ohne Maut aus und muss seine Fahrzeuge jetzt erstmals registrieren. Doch nicht alle Handwerksbetriebe sind von der Maut betroffen: Die örtlichen Bäckereien liefern ihre Ware mit nicht-mautpflichtigen, kleineren Fahrzeugen aus.

Eine gesetzliche Ausnahme gibt es für landwirtschaftliche Fahrzeuge, die maximal Tempo 40 fahren können. Auch die Wagen von Schaustellern sind von der Gebühr befreit.