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Medizinische Hilfe fortgeführt Ganderkeseer Verein bewahrt Klinik in Gambia vor dem Aus

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 10.03.2017, 10:12 Uhr

Ein vom Ganderkeseer Verein Riverboat Doctors International (RDI) betriebenes Gesundheitszentrum im westafrikanischen Gambia hat seine Arbeit wieder aufgenommen. Neben politischen Unruhen im Land bereitete dem Verein zuletzt auch eine veränderte Spendenbereitschaft in Deutschland Sorgen.

Der Bookholzberger Christian Göken, 1. Vorsitzender der Riverboat Doctors International (RDI), atmet auf. Der Neubeginn in der Krankenstation in Buniadu im westafrikanischen Gambia ist trotz „kleinerer Startschwierigkeiten“ recht reibungslos verlaufen. Im November hatte das Gesundheitszentrum schließen müssen, die einzige Krankenschwester vor Ort hatte ihre Arbeit aufgegeben. Eine Aufgabe der Klinik drohte, doch dem Ganderkeseer Verein gelang es, den Standort mit einer gambischen Krankenschwester und einheimischem Management wieder in Betrieb zu nehmen.

„Wir versuchen, gesundheitliche Versorgung sicherzustellen, in einer Region, die nicht gut erschlossen ist“, sagte Göken. Seit Anfang Februar nehmen Patienten wieder einen Weg von bis zu 70 Kilometern in Kauf, um sich in Buniadu behandeln zu lassen. (Weiterlesen: Hilfe aus Ganderkesee: Krankenstation in Gambia öffnet wieder) 

„Die Bereitschaft, für Afrika zu spenden, ist geringer geworden.“

Von Bookholzberg aus koordiniert Christian Göken die Organisation der Krankenstation und versucht, freiwillige Helfer aus Deutschland für die Sache gewinnen, um sie nach Buniadu zu schicken. Er selbst hat bei der Bundeswehr eine medizinische Ausbildung absolviert, die Vermittlung von medizinischem Know-How überlässt der Vorsitzende aber lieber seinem Stellvertreter, dem Arzt Dr. Markus Schopp.

Die wichtigste Aufgabe sei jedoch, Spenden für den Verein aufzubringen. „Wenn wir kein Geld organisieren, ist das Projekt Buniadu gestorben“, erklärte Göken. Die Riverboat Doctors organisieren für diesen Zweck afrikanische Themenabende oder Chorkonzerte.

Zum Problem ist für den Verein die veränderte Ausrichtung der Spendenbereitschaft in Deutschland geworden. „Die Bereitschaft, für Afrika zu spenden, ist geringer geworden“, sagt Göken. Wegen der Flüchtlingskrise würden Menschen vermehrt Organisationen unterstützen, die sich hierzulande für Menschen einsetzen. Das wolle er auf keinen Fall herabwürdigen, erklärte Göken, aber für den Verein sei es dadurch noch schwieriger geworden, die 25 000 Euro zu sammeln, die die Krankenstation jährlich zum Bestehen braucht.

Dutzende Patienten am Tag

Ein Ehepaar aus Ganderkesee, das namentlich nicht genannt werden will, hat die Riverboat Doctors im Anschluss an eine Weltreise gegründet, um in Afrika gesundheitliche Hilfe zu leisten. Ursprünglich war geplant mit einem Klinikboot über den Fluss Gambia zu fahren, der quer durch das gleichnamige Land fließt. Der finanzielle Aufwand sei dafür zu groß gewesen. 2007 nahm das Gesundheitszentrum in Buniadu den Betrieb auf.

 Der politische „Ausnahmezustand“ rund um den Machtwechsel Anfang des Jahres in Gambia hätte die Wiederinbetriebnahme im Februar verzögert. Nun sei mit der neuen Krankenschwester Ramatoulie Saidykhan und dem neuen Manager Famara Fatty wieder Kontinuität in den Klinikalltag eingekehrt. 20 bis 25 Patienten werden in der Krankenstation täglich behandelt. Vor der Schließung kamen sogar bis zu 70 Menschen am Tag. Mehr als zwei Drittel davon sind Kinder. „Wir haben den Eindruck, dass die Bevölkerung sehr dankbar dafür ist, dass ihnen jemand gesagt hat: Es wird weitergehen“, sagte Göken.