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Mehr als nur Bauersfrauen Ganderkesees Landfrauen machen Lust auf Landleben

Von Bettina Dogs-Prößler | 16.06.2018, 10:35 Uhr

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Alle Frauen im ländlichen Raum zu erreichen. Das ist heutzutage das Ziel der Landfrauenvereine, die sich deswegen für bessere Lebensbedingungen vor Ort einsetzen.

Mehr als die Hälfte der Deutschen lebt auf dem Land, jährlich machen rund drei Millionen Menschen Urlaub auf dem Bauernhof. Geprägt wurde das Bild vom Leben auf dem Land von der Landwirtschaft, auch für die Gemeinde Ganderkesee war sie jahrzehntelang von entscheidender Bedeutung.

Doch das Leben auf dem Land hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt – die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat stark abgenommen, ebenso die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft. Das hat auch bei den landwirtschaftlich geprägten Organisationen ein Umdenken erfordert. „Kaum eine Landfrau betreibt heute noch eine Landwirtschaft“, sagt Meike Ahlers, Vorsitzende der Ganderkeseer Landfrauen. Heute sei die Landfrau selten eine Bauersfrau, „sie ist heute vor allem die Frau aus dem ländlichen Bereich“.

Daseinsberechtigung bleibt erhalten

Zu einem Verein ohne Daseinsberechtigung sind die Landfrauen deshalb aber noch lange nicht geworden. „Wir in den Ortsvereinen setzen uns für die Entwicklung des ländlichen Bereichs ein und wollen das Verständnis für Stadt- und Landbevölkerung fördern“, sagt Meike Ahlers.

Und wenn auch der Großteil der Landfrauen einen Bezug zur Landwirtschaft hat, reichen die Ziele der Organisation heute weit über das bäuerliche Leben hinaus. Ein Großteil der Frauen ist in anderen Berufen zu Hause, Ahlers schätzt, dass nur noch unter sieben Prozent aus der aktiven Landwirtschaft kommen.

Tradition und Modernes miteinander verbinden

Dennoch haben alle das gleiche Anliegen: Tradition und Modernes miteinander zu verbinden. Mit Aktionen wie „Kochen mit Kindern“ und Erlebnistagen auf dem Bauernhof für Schüler soll einerseits wieder mehr Verständnis für die Landwirtschaft geweckt, andererseits soll Kindern damit auch der Umgang mit frischen Lebensmitteln nahegebracht werden. Wissen, das früher innerhalb der Landfrauen von Generation zu Generation weitergegeben wurde und das heute das Interesse am Leben im ländlichen Bereich stärken soll.

Programm als Zugpferd

Das große Zugpferd dabei ist das Programm. Da gibt es Schnupperkurse zur Selbstverteidigung oder Radtouren durch idyllische Landschaften. Da werden PC-Schulungen angeboten ebenso wie Vorträge zu gesunder Ernährung. Es gibt Krimi-Lesungen oder eigene Lese-Zeiten. Dazu jedes Jahr besondere Reisen: Dieses Jahr etwa ging es nach Ligurien in Italien mit Übernachtung im Wellnesshotel.

„Die Frauen von heute sind anders“, meint Meike Ahlers. Das spiegele auch das Programm wieder. Vor allem geht es darum, Gleichgesinnte zu erreichen – egal, ob sie vom Hof kommen oder nicht. Die Landfrauen heute verstehen sich als Netzwerk von Frauen, die sich gegenseitig unterstützen, sich sozial engagieren und gemeinsam etwas bewegen wollen. Um das Leben auf dem Land ein bisschen schöner zu machen.