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„Mein Kampf“ auf Anfrage bestellt Hitlers Buch liegt in Delmenhorst und Ganderkesee nicht aus

Von Katja Butschbach | 04.01.2016, 19:38 Uhr

70 Jahre nach Hitlers Tod kehrt die Hetzschrift „Mein Kampf“ als kommentierte Ausgabe in den Buchhandel zurück. Eine große Nachfrage erwarten Delmenhorster und Ganderkeseer Buchhandlungen nicht.

Auf Kundennachfrage bestellen ja, auslegen nein: Nach diesem Grundsatz wollen Buchhandlungen aus Delmenhorst und Ganderkesee mit der kommentierten, wissenschaftlichen Ausgabe von Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ umgehen, die am 8. Januar erscheint. Drei Jahre lang arbeiteten sich Experten am Institut für Zeitgeschichte in München durch „Mein Kampf“ – um mit ihren Anmerkungen den Diktator zu widerlegen.

„Das hätte es schon viel eher geben sollen.“

„Es ist richtig“, kommentierte der Ganderkeseer Buchhändler Gustav Förster das Erscheinen der kritischen Ausgabe. „Das hätte es schon viel eher geben sollen.“ Denn die Rechten hätten ihre Quellen immer gehabt und seien an das Buch herangekommen – mit der kritischen Ausgabe werde deutlich, „was für ein Stuss da drin steht“. Ob diese Ausgabe allerdings auch diejenigen erreiche, die sie erreichen müsse, sei fraglich.

Die kritische Ausgabe umfasst rund 1950 Seiten und kostet 59 Euro. Decius bestellt die Ausgabe für Kunden, „weil es eine kommentierte Ausgabe ist“, erklärte Buchhändler Christian Emmler. „Ich persönlich sehe kein Problem darin, es für Menschen, die es aus wissenschaftlichen Gründen haben wollen, zu bestellen.“

Keine große Nachfrage erwartet

Man erwarte allerdings keine große Nachfrage nach dem Werk. Eher interessehalber hätten sich Kunden bereits in der Buchhandlung erkundigt, ob die Ausgabe bestellt werden könne. „Bei mir hat das Buch noch niemand bestellt“, sagte Emmler. Dass die Buchhandlung das Werk nicht auslegen wird, sei eine wirtschaftliche Überlegung.

Für Sabine Jünemann, Inhaberin der Buchhandlung Jünemann, ist ebenfalls klar, dass sie das Buch nur auf Nachfrage bestellen wird – in einem Fall hat sie dies bereits getan. Die Nachfrage kam bereits Mitte Dezember.

„Im Prinzip brauchen wir das nicht“

„Das muss nicht ausliegen, weil ich nicht finde, dass das eine weitere Verbreitung haben muss“, erläuterte Jünemann ihre Meinung zu dem Buch. Im vergangenen Jahr seien schon einige kommentierende Bücher zu „Mein Kampf“ erschienen. „Da war die Nachfrage nicht so sonderlich groß.“ Zu dem neu erscheinenden Buch sagte sie: „Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll – im Prinzip brauchen wir das nicht.“

Das Buch, erläuterte Gustav Förster, „gab es immer im Versandhandel“, etwa aus Amerika. Auch im Antiquariat habe er das Buch schon einmal öffentlich ausliegen sehen. „Ich werde es nicht in den Laden stellen, aber auf Bestellung liefern“, sagte er.

Auch die Delmenhorster Buchhandlung Lesezeichen Dauelsberg will das Werk laut Mitarbeiter nicht auslegen. Detailliertere Informationen waren gestern nicht zu bekommen, da die Leitung nicht im Hause war.

Kampf gegen Rechts

„Ich bin generell kritisch“, sagte Jünemann auch angesichts weiterer Bücher über Hitler. Den satirischen Roman „Er ist wieder da“ von Timur Vermes über ein Wiedererwachen Hitlers im Jahr 2011 habe sie nicht lustig gefunden.

Wie Förster berichtete, erscheint in diesem Monat ein weiteres Buch unter dem Titel „Mein Kampf“ – allerdings mit dem Zusatz „Gegen Rechts“. Hier kommen zehn Menschen zu Wort, die sich heute gegen Rechts engagieren.