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Milchkrise und Wassergesetz Bauer aus Landwehr fühlt „gelockerte Schlinge um den Hals“

Von Thomas Deeken, Thomas Deeken | 13.05.2017, 10:56 Uhr

Für Volker Schmidt, Milchbauer aus Landwehr in der Gemeinde Ganderkesee, ist die Milchkrise noch längst nicht vorbei. Die Situation ist allerdings entspannter geworden. Dagegen müssen sich laut Schmidt viele Landwirte Sorgen wegen verschärfter Auflagen durch das Wassergesetz machen.

Die Milchkrise ist noch längst nicht vorbei. „Wir haben jetzt eine gelockerte Schlinge um den Hals“, sagt Volker Schmidt, Landwirt aus Landwehr, Vorstandsmitglied im Ganderkeseer Landvolk und agrarpolitischer Sprecher der Freien Wähler im Landkreis. Die Lage habe sich zwar seit Mitte vergangenen Jahres entspannt, „sodass man den Betrieb am Laufen halten kann“. Große Sprünge könne man trotzdem nicht machen – vor allem diejenigen nicht, die in den vergangenen Jahren hohe Kredite aufnehmen mussten, um ihre Existenz abzusichern.

 Schmidt hatte im vergangenen Jahr noch 23 Cent pro Liter Milch von der Molkerei Ammerland erhalten, seit Anfang dieses Jahres sind es seinen Angaben zufolge 32. „Wenn eine 3 vorne steht, kann man noch über die Runden kommen“, so der 42-Jährige. „Eine 4 wäre aber vernünftig.“ Dann könnte so mancher Landwirt auch besser Kredite abbezahlen.

Deutschland produziert weniger Milch

Im Übrigen sei aber jeder landwirtschaftliche Betrieb anders. Da gehe es beispielsweise um die Größe des Hofes, um die Höhe der Kredite, um die Entfernungen zu den Weideflächen, um Futter und darum, ob viele Fremdarbeitskräfte oder ausschließlich Familienmitglieder mitarbeiten. Außerdem ist laut Schmidt nicht vorhersehbar, wie sich der Markt weiter entwickelt. So produziere Deutschland derzeit weniger Milch, um den Markt zu regulieren, „da kommen die Polen und die Franzosen und produzieren mehr. Das hilft uns nicht“. Es wäre auch befreiend, wenn die Sanktionen gegen Russland aufgehoben würden. „Wenn jetzt noch ein weiterer Krisenfall kommt, scheppert es richtig“, prognostiziert der Landwirt.

Durch Gesetze der Regierung gebeutelt

Damit aber nicht genug: Der 42-Jährige sieht die Bauern durch jüngste Programme und Gesetze der Landesregierung gebeutelt. So sieht Schmidt, inzwischen auch für die Freien Wähler im Gemeinderat, beispielsweise das neue Label „Pro Weideland“ kritisch. Die teilnehmenden Landwirte sollen laut Ministerium gegenüber dem Preis von konventioneller Milch zwar fünf Cent pro Kilo Milch mehr erhalten. Und die Weidemilch sei auch gentechnikfrei. Aber die Verbraucher müssten auch bereit sein, die teurere Milch zu kaufen.

Nicht genügend Flächen für Weidelabel

Außerdem sei es für einige Betriebe gar nicht möglich, sich zu beteiligen, weil nicht genügend Flächen zur Verfügung stünden. Schließlich sei eine der Voraussetzungen, die Kühe an 120 Tagen im Jahr sechs Stunden lang auf der Weide zu lassen. „Das mache ich nicht mit. Ich lasse meine Kühe drei Stunden auf die Weide, weil ich nicht ausreichend Flächen habe.“ Derzeit gebe es niemanden in der Gemeinde Ganderkesee, der sich an dem Weidemilchprogramm beteiligt, so Schmidt.

Angst vor Ansiedlung des Wolfes

Ein weiteres Problem: „Sollte sich der Wolf hier ansiedeln, ist das Weidelabel ein totaler Quatsch“, meint der Landwirt. Schließlich gebe es keine wolfsicheren Zäune. „Und sollte dann ein Tier vom Wolf gerissen werden, bleiben meine Kühe im Stall.“ Außerdem stelle sich die Frage, ob man sich einen Spezialzaun trotz Fördermittel überhaupt leisten kann.

Wassergesetz forciert Hofsterben

Teuer werde es ohnehin für viele Landwirte durch das neue Wassergesetz. Die verschärften Auflagen könnten das Hofsterben forcieren, so der 42-Jährige. Dabei würde es die kleinen Bauern härter treffen als die großen. So sollen künftig Silageplatten angeschafft werden, die so dicht sein müssen, dass mögliches Sickerwasser nicht ins Grundwasser eindringen kann. Ähnliches soll auch für Mistplatten gelten. „Wer da nachrüsten muss, kommt schnell mal in einen fünf- bis sechsstelligen Bereich“, so Schmidt.

Mit Schleppschuhverfahren düngen

Dagegen kann der Landwehrer Milchbauer mit dem aktuellen Kompromissvorschlag seitens der Landesregierung leben, wenn es um die Düngung von Seitenstreifen an Gewässern geht. Wer statt des windanfälligen Pralltellerverfahrens die gezieltere Schleppschuhtechnik zur Düngung vorzieht, soll bis einen Meter ans Wasser randürfen. „Dafür hole ich mir dann einen Lohnunternehmer. Aber auch das ist wesentlich teurer als der Prallteller“, sagt Schmidt. „Und wer sich diese Technik selbst anschaffen will, ist ebenfalls schnell im sechsstelligen Bereich.“

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