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Milchquote begraben Vielstedter Landwirt Meyer von EU-Ballast befreit

Von Reiner Haase | 20.03.2015, 16:42 Uhr

Im April läuft die „Milchquote“ genannte Mengenregulierung der EU aus. Der Vielstedter Landwirt Mathias Meyer sieht sich auch auf verstärkte Preisschwankungen vorbereitet.

Mathias Meyer und Heinz Korte haben am Freitag auf dem Hof Meyer in Vielstedt einen Abgesang auf die Milchquote angestimmt, und es war beileibe kein Trauermarsch. „Die Quotenregelung hat unsere Milchviehhalter über 31 Jahre lang viel Geld gekostet“, sagt Korte, der Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolks.

Korte weiß, wovon er redet, denn er ist selbst Milchviehhalter. Zahlen aus dem Betrieb in Vielstedt, den Mathias und Sandra Meyer 2010 von den Eltern und Schwiegereltern Anke und Erhard Meyer übernommen hat, unterfüttern Kortes Aussage: Mehrere 100000 Euro haben die Meyers für Quotenzukäufe gezahlt, um den Betrieb mit 30 Kühen zur Zeit der Quoteneinführung im Jahr 1984 auf die heutige Betriebsgröße mit 200 Kühen zu bringen.

Die Milchquote sei in den Zeiten von Butterbergen und Milchseen ohne Alternative und für Aussteiger aus der Milchviehhaltung eine soziale Abfederung gewesen, so Korte. Aber sie habe die Entscheidungsfreiheit der Milchviehhalter massiv eingeengt.

Markt ersetzt politische Regulierung

Marktmechanismen haben die politisch gewollte Regulierung abgelöst. Überschüssige Milchprodukte werden von den Molkereien, zu 70 Prozent große Genossenschaften, auf dem Weltmarkt abgesetzt. Und Landwirte wie Mathias Meyer müssen den Banken plausible Konzepte vorlegen, wenn es um die Finanzierung von Investitionen geht. Immerhin entfallen mit dem EU-Beschluss, die Milchquote im April abzuschaffen, die „Superabgaben“. Sie führten für Betriebe, die mehr Milch erzeugt haben, als ihnen durch Erwerb von Quoten zustand, immer wieder zu Rentabilitätsproblemen.

„Im Augenblick sind alle am Pokern. Es kann Ausschläge nach oben geben“, schildert Korte die aktuelle Situation auf dem Milchmarkt. Für Meyer lautet die Devise: In Zeiten mit guten Preisen Rücklagen für schlechtere Tage bilden, „sonst müssen wir’s uns vom Mund abknappsen.“ Er denkt sowieso hauptsächlich an die Tiere: „Wenn es den Kühen im Stall gut geht, geben sie auch gute Milch.“