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Ministerbesuch am Montag Lateinunterricht könnte an Huder Oberschule bald Thema sein

Von Ole Rosenbohm | 04.02.2019, 21:51 Uhr

Hude Am Montag schaute Kultusminister Tonne in der Huder Peter-Ustinov-Schule vorbei. Schulleiter Rettcher hatte direkt einen Wunsch. Tonne reagierte mit Wohlwollen.

Die Aula voll besetzt mit Schülern, das 50-köpfige Gitarrenorchester positioniert, ein paar Lehrer raunen noch nervös Anweisungen durch den Saal: Alles muss passen, wenn mal ein Minister reinschaut. Denn Minister haben oft nur wenig Zeit – und auch der Besuch von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in der Peter-Ustinov-Schule in Hude am Montagmittag war streng durchgetaktet.

Immerhin eineinhalb Stunden nahm sich der 42-Jährige aber. Das reichte für vier kurze Reden, drei Musikstücke und einen, vom Zehntklässler Nico Ahrens produzierten Imagefilm. Und es reichte Schulleiter Nico Rettcher, Kultusminister Tonne den Wunsch zu überbringen, künftig Latein an seiner Oberschule mit gymnasialem Zweig anzubieten.

Viele Huder Kinder würden gerne Latein belegen

Es gebe, sagte Rettcher, pro Jahr 20 bis 30 Kinder aus der Gemeinde Hude, die gerne Latein belegen würden. Mit der nach Englisch und Französisch dritten Fremdsprache würde die Schule also attraktiver werden. Latein gehört zu den alten Sprachen, aber, sagte Rettcher in seiner Rede, Schule dürfe auch mal „etwas anachronistisch“ sein. „Bewährte Muster geben Anker“, sagte Rettcher. Er lege so auch immer noch Wert auf „traditionelle Kulturtechniken“: korrekte Rechtschreibung, sauberes Schreiben mit Füller, Lernen eines Instruments. Basisinhalte vermitteln will er, Innovationen dabei nicht vergessen. Immerhin führt die Peter-Ustinov-Schule unter anderem den Titel MINT-Schule, will sich also in Mathematik, Informatik oder Naturwissenschaften gut aufstellt wissen.

Schule will Latein im Schuljahr 2020/21 einführen

Einen Antrag zum erwünschten Lateinunterricht hat die Schule noch nicht gestellt. Wie ein solcher aussehen könnte, war dann Thema beim halbstündigen Gespräch in Rettchers Büro unter anderem mit dem Minister und Karl-Heinz Book von der Landesschulbehörde. Geht es nach dem Schulleiter, könnte ab dem Schuljahr 2020/21 Latein ab der 6. Klasse unterrichtet werden.

Der Minister wolle sich das jetzt „im Detail angucken“, sagte aber auch, dass es sicher möglich sei, die Frage nach Ressourcen, also Lehrkräften, zu lösen und meinte wohlwollend: „Dass Latein als Fremdsprache wichtig ist, steht für mich außer Frage.“ Auch und gerade für die Peter-Ustinov-Schule, meinte dazu Hudes Bürgermeister Holger Lebedinzew: „Latein würde das Profil der Schule außerordentlich abrunden.“

Minister bedankt sich für Empfang

Nach Rettchers, Lebedinzews und Books – der eine Unterrichtsversorgung von 99,7 Prozent im ersten Halbjahr an der Huder Schule verkündete – Reden sowie van Beethovens „Ode an die Freude“ bedankte sich Tonne über den „unfassbar großen Empfang“. Er betonte, dass es auch und gerade in schnelllebigen Zeiten wichtig sei, in der Bildung „in langen Linien zu denken“ und nicht „auf jede neue Studie“ aufzuspringen. Allerdings habe sich im Zusammenhang mit digitalen Medien die Wissensvermittlung geändert. Das Einmaleins etwa müsse erlernt werden. Eine heutige Herausforderung aber sei, die unübersichtlich große Menge an verfügbarem Wissen zu filtern, um herauszufinden, was daran „schlicht Schrott“ sei.