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Mit Handicap durch Ganderkesee Bahnhof in Ganderkesee top, Bahnübergang ein Flop

Von Reiner Haase | 18.10.2018, 23:28 Uhr

Ein Testlauf des ASG hat rund um den Bahnhof in Ganderkesee viel Gutes, aber auch Mängel aufgedeckt. An den beiden Bahnübergängen kann es für Rollifahrer gefährlich werden.

Der Bahnhof in Ganderkesee hat den Stolperfallen-Test des Arbeitskreises der Selbsthilfegruppen Ganderkesee (ASG) am Aktionstag „Perspektivwechsel“ mit Bravour bestanden: Blindenleitsystem, ebene Wege, Durchsagen per Lautsprecher, Display-Auskünfte und niedrig positionierte Fahrkartenautomaten gleichen nahezu jedes Handicap aus und erleichtern selbstständiges Fortkommen. Doch an den Übergängen rechts und links des Bahnhofs sind die Menschen mit und ohne Behinderung, die im Mai an der Erkundungstour teilgenommen hatten, auf gefährliche Hindernisse gestoßen: Kleine Räder von Rollatoren und Vorderräder von Rollstühlen können sich in den Rillen des Schienenwegs verkanten. „Findige fahren mit dem Rolli rückwärts drüber. Besser wären elastische Kunststoffeinlagen“, sagt ASG-Vorstandsmitglied Rüdiger Laudien.

Verantwortliche informiert

Die „Perspektivwechsler“ hatten im Mai in Rollstühlen und zu Fuß den Bahnhof, den Festplatz an der Raiffeisenstraße, die Gemeindebücherei, den Inkoop-Markt mit Post und Bäckerei sowie das neue Ärztehaus an der Grüppenbührener Straße erkundet und Auffälliges genau protokolliert. „Wir haben die Bögen sorgfältig ausgewertet und die Verantwortlichen über die Erkenntnisse informiert“, berichtet die ASG-Vorsitzende Sabine Bretzke. Zügig geantwortet haben Bürgermeisterin Alice Gerken für die Gemeinde und Geschäftsführer Bernd Oetken für Inkoop. „Bei den anderen müssen wir abwarten, ob noch ’was kommt“, sagt ASG-Kassenwart Thomas Franzki.

WC schwer erreichbar

Taster oder Bewegungsmelder als Türöffner, ausreichend breite Gänge, große Beschriftungen, eine Rolli-Kasse mit extra breitem Durchgang, niedrige Tresen, Behinderten-WCs in der Bücherei, bei Inkoop und im Ärztehaus und mehr – den Testern sind viele positive Dinge aufgefallen. Ein Manko sei es, dass Rollifahrer nicht ohne Hilfe in das Behinderten-WC bei Inkoop kommen.

Verbesserungen vorgeschlagen

Bei Bäcker Haferkamp gebe es einen Tresenabschnitt ohne Glasaufbau, sodass ein Rollifahrer problemlos Ware gegen Geld tauschen können. Allerdings müsse er etwas mühselig kurven, wenn sich eine Schlange gebildet habe. Am Ärztehaus gebe es einen Taster zum Türöffnen am dicht am Behindertenparkplatz, aber überraschend weit weg vom Eingang. „Manchmal sind es ganz kleine Dinge“, stellt Moritz fest. Am Tresen des Orthopäden zum Beispiel gebe es Mulden zum sicheren Abstellen von Gehhilfen und in der Apotheke nicht. „Wir machen drauf aufmerksam in der Hoffnung auf Verbesserungen“, so Moritz.

Rollstuhl im Rinnstein

Bürgermeisterin Gerken zum Beispiel will sich in den anstehenden Haushaltsberatungen dafür einsetzen, dass Geld für eine Verbesserung des Behinderten-Parkplatzes auf dem Festplatz bereitgestellt wird. Er sei so kurz, dass ein aus dem Kofferraum geholter Rollstuhl genau in einer Rinne für Regenwasser steht, berichtet der zweite ASG-Vorsitzende Uwe Schwemmler. Gleiches hatte der ASG auch schon am Bookholzberger Bahnhof beklagt. Wenig später war der Mangel behoben. „Manchmal tut die Gemeinde ’was, ohne es an die große Glocke zu hängen“, stellt Moritz fest. Auch der monierte schlechte Zugang zum Alten Rathaus sei ohne Ankündigung besser hergerichtet worden.