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Modellprojekt Telepflege Harpstedter Schwestern haben Laptop im Pflegepaket

Von Reiner Haase | 13.12.2018, 09:35 Uhr

Harpstedter Gemeindeschwestern nehmen zum Hausbesuch einen Laptop und eine Handkamera mit. Sie erproben, wie die digitale Technik die Pflege im ländlichen Raum verbessern kann.

„Der Mensch im Mittelpunkt“ lautet der Grundsatz der DRK-Gemeindeschwesternstation Harpstedt. Das schließt den Einsatz moderner Technik nicht aus: Von den Gemeindeschwestern betreute Pflegepersonen haben sich schon daran gewöhnt, dass ihre Pflegekräfte den Laptop und die Handkamera mitbringen und den Direktkontakt mit der Zentrale im Harpstedter Seniorenzentrum herstellen. Harpstedt im Landkreis Oldenburg ist neben dem Christophorus Pflegedienst Brake im Landkreis Wesermarsch ausgewählt für das Modellprojekt Telepflege in Niedersachsen.

Entfernungen schnell überbrücken

„Wir sammeln Erfahrungen, gute und schlechte“, berichtet Elke Lükermann, die Leiterin der Gemeindeschwesternstation. „Wir können große Entfernungen ohne Zeitverzug überbrücken“, ergänzt sie. Die Pflegekraft vor Ort könne nachfragen, wie eine offene Wunde oder eine Verbrühung zu behandeln ist, ob die Bordmittel im kleinen Flitzer des Pflegedienstes reichen oder ob besser ein Arzt herbeigerufen wird. Bilder, Daten und Töne aus der Wohnung erleichtern die Beurteilung. „Uns hilft das, weil die Samtgemeinde Harpstedt eine große Fläche abdeckt. Zwischen den Wohnungen unserer Kunden in Colnrade und Annen liegen 28 Kilometer“, sagt Lükermann, „wir wollen die Wege kurz machen.“ In einer Zeit des Mangels an Pflegekräften sei das besonders wichtig.

Projektverlängerung im Blick

Im zunächst auf zwei Jahre begrenzten Modellprojekt Telepflege, das aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert wird, arbeiten die Pflegedienste in Harpstedt und Brake mit dem Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft in Osnabrück und den Johannitern in Berne zusammen. Die Johanniter haben in Berne eine rund um die Uhr besetzte Einsatzzentrale. Die Projektleitung liegt bei der Vita-Akademie Emstek. Laut Vita-Mitarbeiter Christian Vaske werden sich alle Beteiligten um Weihnachten herum zusammensetzen, um über die Fortsetzung des Projekts zu reden. Möglich ist die Verlängerung des Projekts um ein Jahr. „Im März wissen wir, ob es weitergeht“, kündigt Vaske an.

Offene Erfahrungsfelder

Die Harpstedter Projektpartner würden es begrüßen, wenn das Projekt nicht im Mai 2019 abgebrochen würde. Bisher hat die Gemeindeschwesternstation nur erfahrene Pflegekräfte mit der Technik der Telepflege losgeschickt. „Anfang des neuen Jahres wollen wir vier junge Kräfte einarbeiten und mit ihnen weitere Erfahrungen sammeln“, berichtet Lükermann. Es gibt weitere noch nicht beackerte Felder. Vaske zählt dazu die Verknüpfung von Telepflege und Telemedizin, die Einbeziehung von Ärzten und Apothekern. „Mit dem Klinikum Oldenburg haben wir uns schon mal zusammengeschaltet. Das hat hervorragend geklappt“, ergänzt Lükermann. In die von Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) gewünschte qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung im Flächenland Niedersachsen könnten auch noch pflegende Angehörige einbezogen werden.

Störende Internet-Lücken

Das Pflege- und Gesundheitsnetz funktioniert allerdings nur so gut wie die Internetversorgung. „Je weiter wir in die Außenbereiche kommen, desto schwieriger wird es“, berichtet Lükermann. Dabei sieht es bei den Funklöchern in der Samtgemeinde Harpstedt noch besser aus als in der Wesermarsch. „Insgesamt haben wir nur zu 70 bis 80 Prozent guten Empfang“, berichtet Vaske aus dem Modellprojekt, „in Ovelgönne zum Beispiel geht gar nichts.“ Er betont, dass die Telepflege keine hohe Netzgeschwindigkeit benötigt. Und Lükermann fragt sich, warum nicht das jeweils stärkste der drei vorhandenen Netze genutzt werden kann.