Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

„Motorische Defizite auffällig“ Ganderkeseer Grundschulen sind im Sport-Fieber

Von Kristina Müller | 11.09.2017, 20:10 Uhr

Viele Grundschulleiter in der Gemeinde Ganderkesee stellen fest, dass die Kinder motorisch nicht mehr so fit sind. Deshalb bieten fast alle Schulen inzwischen besondere Sportprogramme an.

Seit heute sind die Schüler der Grundschule Lange Straße in Ganderkesee im Springseil-Fieber. Insgesamt 30 Viertklässler durften dort am Präventionsprojekt „Skipping Hearts“ der Deutschen Herzstiftung teilnehmen, zwei Schulstunden lang verschiedene Choreografien mit langen und kurzen Springseilen einüben und sie anschließend ihren Schulkameraden vorführen.

Für Schulleiter René Jonker ein Projekt mit Domino-Effekt: Weil auch die jüngeren Schüler die Springseile im Anschluss selbst ausprobieren durften, springe das Springseil-Fieber dadurch auf die ganze Schule über. „Die Folge davon ist, dass sich viele Kinder Springseile für Zuhause bestellen“, erklärt Jonker. Und auch im Sportunterricht sei Springseilspringen danach ein großes Thema.

Projekte wie dieses möchte die Schule, die vor den Sommerferien zum ersten Mal als sportfreundliche Schule ausgezeichnet wurde, weiterhin konstant anbieten und sucht daher Kooperationen mit verschiedenen Vereinen oder nimmt Sportabzeichen ab, wie Jonker erzählt. Denn auch wenn viele Kinder noch in Vereinen aktiv seien, habe sich das Freizeitverhalten der Schüler sich stark verschoben, stellt Jonker fest. „Das freie Bewegen, wie Klettern und Toben draußen, hat nachgelassen.“

Drei Mal ausgezeichnet

Auch die Grundschule Heide ist bereits drei Mal jeweils für drei Jahre als sportfreundliche Schule ausgezeichnet worden. „Wir bieten in Bereich Bewegung und Sport sehr viel an, weil wir feststellen, dass die Kinder diese Angebote auch brauchen“, sagt Schulleiterin Ulla Dunker. Dazu gehören dann Bewegungsspiele im Unterricht, diverse Sport-AGs in Kooperation mit Vereinen vor Ort und auch Turniere in Völker-, Fuß- und Handball. „Das sind jeweils Klassenturniere, bei denen möglichst jedes Kind mitspielen soll, egal wie sportlich oder unsportlich es ist“, so Dunker.

Darüber hinaus mache die ganze Schule regelmäßig Lauf- und Sportabzeichen und beteilige sich an der „Zu Fuß zur Schule“-Aktion, bei der die Kinder sich schon auf dem Schulweg bewegen sollen. Und damit die Kinder auch in der Schule aktiv sind, sei der Schulhof besonders bewegungsfreundlich gestaltet. „Wir stellen fest, dass die Kinder in motorischer Geschicklichkeit wie Balancieren zunehmend ungeübter sind“, bemerkt die Schulleiterin. „Viele Kinder können auch eine einfache Rolle vorwärts nicht mehr richtig.“

„Größere Defizite als früher“

Auch an der Grundschule Dürer Straße in Ganderkesee lassen die motorischen Fähigkeiten der Schüler nach, wie Schulleiter Frank von der Aa berichtet: „Es ist auffällig, dass größere Defizite bestehen als früher.“ In den ersten Schulwochen würden daher alle basalen Fähigkeiten der Schüler durch Förderschullehrer getestet. Besonders für Erst- und Zweitklässler hat die Schule ein Sportförderkonzept, bei dem die Schüler zusätzlich zum regulären Sportunterricht von einer speziell ausgebildeten Lehrkraft gefördert werden – „wenn der Bedarf besteht“, so von der Aa. Der Schulleiter sieht darin einen präventiven Charakter: „Je früher diese Förderung beginnt, desto besser.“

Gleichzeitig Konzentrationsfähigkeit stärken

Einen Sportförderunterricht bietet die Grundschule Bookholzberg ebenfalls an, weil auch hier bei vielen Kindern motorische Defizite beim Gleichgewicht oder bei der Kraftdosierung auffällig seien, so Rektorin Dörte Lohrenz. „Das hängt mit wenig Bewegungserfahrung zusammen und wirkt sich auch auf das schulische Lernen aus“, sagt sie. Damit sich die Kinder wieder mehr bewegen und auch im Unterricht besser konzentrieren können, gebe es neben den großen Pausen auf dem Schulhof auch kleine bewegte Pausen immer wieder zwischendurch im Unterricht. Und wenn es in der großen Pause einmal sehr stark regnen sollte, gebe es in der Halle oder im Forum der Schule Bewegungsangebote. Kooperationen mit Vereinen und AGs sollen die Kinder ebenfalls zu mehr Aktivität motivieren.

An der Grundschule Habbrügge findet Bewegung dagegen nur im regulären Sportunterricht sowie beim Schwimmunterricht in der dritten Klasse statt – ansonsten seien keine speziellen Sportprojekte geplant, berichtet Schulleiterin Birgit Humberg. „Dadurch, dass die Kinder hier im ländlichen Raum leben, haben sie eher wenig Defizite. Fast alle sind außerdem in einem Sportverein“, weiß die Schulleiterin.