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Nabu befürchtet Massentod von Vögeln Harpstedter enttäuscht über Urteil zu 380-kV-Leitung

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 07.04.2017, 14:49 Uhr

„Ernüchternd und enttäuschend“ nennt Herwig Wöbse, Bürgermeister der Samtgemeinde Harpstedt, das vom Bundesverwaltungsgericht am Donnerstag gefällte Urteil zur Höchstspannungsleitung zwischen Ganderkesee und Sankt Hülfe bei Diepholz

Im gleichen Atemzug lobt er das Engagement der Bürgerinitiative „Vorsicht Hochspannung“.

„Ohne die Initiative gäbe es das niedersächsische Kabelgesetz nicht und auch nicht die Kabelabschnitte im Verlauf der Trasse“, ist Wöbse überzeugt, „sie hat das Erdkabel salonfähig gemacht.“

Land Niedersachsen hat versagt

Dem Land Niedersachsen habe der Mut gefehlt, das Beste für die Anlieger, die Bürger und die Natur herauszuholen, kritisiert Wöbse im Rückblick auf das Planfeststellungsverfahren mit dem Ergebnis, dass durch drei Gemeinden seiner Samtgemeinde der längste Freileitungsabschnitt auf der 60 Kilometer langen Trasse gebaut wird. Er ist sicher, dass die Bundesrichter auch eine Planung bestätigt hätten, die den Stromversorger Tennet zum Verlegen von Erdkabeln verpflichtet hätte, wo die Trasse Wohnhäusern sehr nahe kommt.

Zu wenige Erdkabel

Jetzt gebe es Erdkabel nur in Bereichen mit höherer Siedlungsdichte, zum Beispiel in Ganderkesee.

Damals Bürgermeister der Gemeinde Prinzhöfte, hat Wöbse die Diskussionen über die 380-Kilovolt-Trasse seit dem Beginn im Jahr 2003 gut in Erinnerung. Anfangs, unter der Regie des Versorgers Eon, sei eine Freileitungstrasse wie mit dem Lineal gezogen geplant gewesen als „technisch einfachste Lösung“ mit hier 20, da 40 und dort 60 Metern Abstand zu Wohnhäusern. „Jede Verbesserung musste mühsam erstritten werden“, stellt der Samtgemeindebürgermeister fest. Die Bürgerinitiative mit dem Beckstedter Frank Windhorst als Sprecher verdiene hohe Anerkennung: „Sie hat für andere viel erreicht und ist selber leer ausgegangen.“

Nabu warnt vor tausenden toten Vögeln

Der Nabu Niedersachsen rechnet damit, dass pro Jahr mehrere tausend Vögel in den über 40 Kilometer langen Freilandleitungen auf der Trasse Ganderkesee-Sankt Hülfe zu Tode kommen. Es sei „fachlich nicht nachvollziehbar“, dass nun auch tausende Kraniche gefährdet würden, die in der Diepholzer Moorniederung rasten. Der Nabu ist enttäuscht, dass das Bundesverwaltungsgericht den Hinweis, dass Kraniche ihre Nahrung auch weit außerhalb des Rastgebiets suchen, nicht im Sinne des Vogelschutzes bewertet hat.