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Nach 23 Jahren in Ganderkesee Ganderkeseer Chirurg legt das Messer zur Seite

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 14.03.2017, 07:31 Uhr

„Er erkennt die Probleme der Patienten an der Nasenspitze“, sagt Dr. Ralph Wallinger, ärztlicher Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums Ganderkesee (MVZ) über ihn: Dr. Rainer Brockmeyer gibt dort nach 23 Jahren in Ganderkesee seine Tätigkeit als Chirurg auf.

„Gewisse Dinge mache ich weiter“, sagt Rainer Brockmeyer. Nachdem er seine kassenärztliche Arbeit aufgeben wird, gehört vor allem das Einführen seines Nachfolgers in der Übergangsphase zu den kommenden Aufgaben. Am 1. April gibt er das Chirurgenmesser an Dr. Sebastian Kowsky, den Mannschaftsarzt des Fußballregionalligisten VfB Oldenburg, weiter.

Es sei vor allem der Umgang mit den Patienten, der ihm fehlen werde, sagt Brockmeyer. Nicht nur in medizinischen Belangen biete er ihnen sein offenes Ohr an, auch über familiäre Probleme könnten die Patienten mit ihm sprechen. „Ich habe die Bevölkerung immer als sehr offen erlebt“, sagt der Chirurg.

Zurück an die Uni

1994 nahm Brockmeyer die medizinische Arbeit auf. Familiäre Gründe hatten den Ostwestfalen von Paderborn nach Ganderkesee gezogen, seine Frau stammt von hier. „Ich fühle mich wohl“, erzählt der 64-Jährige, „ich habe noch nicht im Kopf, die Gemeinde zu verlassen. Hier habe ich viele nette Bekannte und Freunde kennengelernt.“

Seine Pläne für die Zeit nach dem OP-Saal könnten den Arzt zurück in den Hörsaal ziehen: „Ich habe mir immer schon gewünscht, noch mal zu studieren“, sagt Brockmeyer. Kunstgeschichte oder Philosophie seien Fächer, die ihn reizen würden. Der chirurgische Beruf werde ihn aber nie loslassen. Der Mediziner leitet neben der Arbeit im MVZ einen Qualitätszirkel, in dem sich Kollegen fachlich austauschen. Außerdem ist er Prüfer für angehende medizinische Fachangestellte im Bezirk Oldenburg.

Chirurgen werden seltener

Im MVZ an der Grüppenbührener Straße weiß man um die Lücke, die Rainer Brockmeyer hinterlassen wird. „Wir sind mehr und mehr zusammengewachsen“, sagt Ralph Wallinger. Davon, dass Brockmeyer nach über zwei Jahrzehnten viele Leute in der Gemeinde kennt, habe die medizinische Einrichtung profitiert. Gleichzeitig ist Wallinger glücklich darüber, dass ein Nachfolger als Chirurg gefunden werden konnte. Denn die Zahl der in dieser Berufsgruppe praktizierenden Ärzte sinke immer stärker. „Die Versorgung der Bevölkerung wird so irgendwann unmöglich sein“, prognostiziert Brockmeyer.