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Nach Disko-Streit in Wildeshausen Verfolgungsjagd auf B 213 bei Ganderkesee hat Nachspiel vor Gericht

Von Ole Rosenbohm | 21.04.2019, 18:01 Uhr

Das muss eine waghalsige Verfolgungsjagd gewesen sein, die sich am frühen Morgen gegen 4 Uhr des 14. Oktober 2017 auf der B213 bei Ganderkesee abgespielt hat.

Das mit fünf jungen Männern besetzte Verfolgerauto war offenbar schneller, setzte sich vor das erste Auto und zwang es durch Schlangenlinien und Abbremsen zum Halten. Dahinter kam auch ein weiterer Wagen mit zwei jungen Frauen nicht weiter, die mit dem Streit, der an der Diskothek „5 Elements“ mit einer Körperverletzung begann, nichts zu tun hatten.

In Wagen gekracht

Voller Panik sahen die Frauen, was dann geschehen sein soll: Die fünf Männer aus dem ersten Auto stürzten sich laut Zeugen zum zweiten Wagen, trommelten auf die Karosserie, rüttelten an den Türen. Der Fahrer der Verfolgten reagierte, setzte zurück – und krachte voll in den Wagen der beiden Frauen. Die fünf Verfolger sollen dann davongefahren sein. Wenige Kilometer später wurden sie von einer Polizeikontrolle aufgehalten.

Nötigung, Sachbeschädigung

Das Jugendschöffengericht, das in Wildeshausen diesen Fall (angeklagt: Nötigung, Sachbeschädigung) verhandelte, war überzeugt, dass sich das Geschehene wie beschrieben und angeklagt abgespielt hatte, sagte auch die Richterin. Es war sogar überzeugt, dass die beiden verbliebenen Angeklagten (18 und 28 Jahre alt, beide aus Wildeshausen) am Übergriff beteiligt gewesen waren. Es urteilte dennoch auf Freispruch. Denn juristisch korrekt nachgewiesen werden konnte den vorbestraften Männern nichts. Gegen die übrigen drei hatte das Gericht das Verfahren bereits in den vorigen Verhandlungstagen eingestellt.

Polizei trägt Schuld

Die Schuld am unbefriedigenden Verfahrensausgang für Gericht und Staatsanwaltschaft trägt die Polizei. Denn sowohl bei der nächtlichen Kontrolle als auch bei einem Verhör auf der Polizeiwache mit dem 18-Jährigen verpassten es die Beamten, die Beschuldigten korrekt zu belehren, wie der Oldenburger Verteidiger Max Hammer nachwies. Damit war all das, was die Beschuldigten gesagt und zugegeben hatten, für das Gericht nicht mehr zu verwerten. Dazu verwickelten sich die Zeugen in Widersprüche, hatten sich offenbar, wie das Gericht vermutete, teilweise abgesprochen und konnten sich an kein einziges Gesicht mehr erinnern. Die Angeklagten selbst verweigerten die Aussage. Identifizieren ließen sich die Angeklagten damit nicht mehr.

Gutachten entkräftet

Dazu präsentierte Anwalt Hammer ein anhand der Auto-Schadensbilder gestelltes Gutachten, das den Nötigungsvorwurf entkräften und Zeugen abermals als unglaubwürdig erscheinen lassen sollte. Das Gutachten sollte belegen, dass der verfolgte Wagen nicht – wie ausgesagt – eingeklemmt zwischen den beiden anderen Fahrzeugen stand, sondern nach hinten mindestens 25 Meter Platz hatte. Als Hammer dann auch die Aussetzung des Verfahrens beantragte, weil ihm nicht alle Akten zur Verfügung standen, signalisierte ihm die Richterin die Freisprüche. Nach fünf Verhandlungstagen sollte der Prozess wenigstens nicht platzen.

Glück im Unglück

„Glück gehabt“, meinte die Richterin zu den Angeklagten. Besonders angesprochen durfte sich der 18-Jährige fühlen, der auf der Polizeiwache ja wesentliche Teile des Hergangs zugegeben hatte. Dumm nur, dass ihn der Polizist nur darüber belehrte, dass er zur Körperverletzung ermitteln würde, nicht auch zur Nötigung auf der B213.