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Nach gewaltsamer Silvesternacht in Köln Flüchtlinge in Ganderkesee verängstigt und unsicher

Von Thomas Deeken | 14.01.2016, 19:12 Uhr

Die gewaltsamen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln, die anschließenden Diskussionen und Ereignisse sowie die ausländerfeindlichen Parolen und Aktionen in weiten Teilen Deutschlands haben auch bei den Flüchtlingen in der Gemeinde Ganderkesee zu Angst und Verunsicherung geführt. Dieses Bild zeichnet derzeit Flüchtlingsberaterin Sandra Baba.

Sie selbst sei inzwischen ebenfalls verängstigt, sagte die Flüchtlingsberaterin auf dk-Nachfrage. Ihre Befürchtung: Auch in unserer Region könnte die Stimmung in der Bevölkerung kippen. Derzeit spüre sie das in Ganderkesee allerdings nicht.

Keine Taten durch und gegen Flüchtlinge

Das bestätigt auch die Polizei, zumindest was – ganz offiziell – Anzeigen betrifft. Es seien bislang im gesamten Landkreis und auch in Delmenhorst keine Taten durch und gegen Flüchtlinge angezeigt worden, sagte Polizeisprecherin Melissa Oltmanns. Seit November vergangenen Jahres würden die Taten registriert. Auch rein subjektiv gesehen gebe es derzeit keine Hinweise auf Probleme. Sollte aber trotzdem irgendetwas passieren, sollten die Geschädigten sich sofort unter der Notfallnummer 110 bei der Polizei melden.

Zweite Nähstübchen-Gruppe geplant

Seit Monaten kümmert sich Sandra Baba gemeinsam mit dem Arbeitskreis Flüchtlinge in Ganderkesee um die Menschen, die aus ihren Ländern geflohen sind und Schutz suchen. Eine Reihe von Aktionen, um die Kinder, Jugendlichen, Frauen und Männer zu integrieren, laufe „gut bis super“, bestätigt auch Erich Kurzawski vom Arbeitskreis. So gebe es beispielsweise vier Mal Sprachunterricht in Familien und vier Sprachkurse mit jeweils sechs bis 16 Personen. Und auch die Aktion Nähstübchen mit acht bis zehn syrischen Frauen werde bestens angenommen. Grund genug, ab Februar eine zweite Gruppe ins Leben zu rufen. Die Vorbereitungen würden laufen.

Kochen für Männer in den Delmewerkstätten

Darüber hinaus hat der Arbeitskreis eine Menge neuer Ideen, um die Flüchtlinge weiter einzubinden – jedes Mal vor dem Hintergrund, bei den Aktionen nebenbei Deutsch zu lernen. So sei beispielsweise ab Februar auch Kochen für Männer in den Delmewerkstätten geplant. Dabei gehe es um gemeinsames Kochen mit deutschen Männern. Außerdem habe sich ein Koch aus Marokko bereit erklärt mitzumachen, der unter anderem Deutsch, Arabisch, Französisch und Spanisch spreche. „Ich wünsche mir, dass etwa 20 Männer mitmachen“, sagt Sandra Baba. Genauere Absprachen – auch über den zeitlichen Rahmen – müssten allerdings noch mit Betriebsleiter Stefan Martens getroffen werden, sagt Kurzawski.

Gemeinsame Ausflüge mit Deutschen

Wenn es wieder wärmer wird, seien auch Ausflüge mit Familien, mit Frauen und mit Männern geplant – jeweils gemeinsam mit Deutschen. Ziele könnten beispielsweise der Tierpark in Ostrittrum, das Auswandererhaus in Bremerhaven, das Museumsdorf in Cloppenburg oder der Magic-Park in Verden sein.

Darüber hinaus werde derzeit ein Raum gesucht, in dem Frauen ungestört und ohne Kopftuch ihre Fitness trainieren können. Es sei wichtig, dass die Frauen aktiv werden statt herumzusitzen und abzuwarten, betont die Flüchtlingsberaterin.

Verkehrserziehung in Theorie und Praxis

Und noch ein Projekt sei derzeit in Arbeit: Verkehrserziehung in Theorie und Praxis. Schließlich hätten die Flüchtlinge, die inzwischen durchaus mit Fahrrädern unterwegs seien, keine Ahnung von den Regeln. Erste Gespräche seien bereits erfolgt – unter anderem mit ehemaligen Lehrerinnen und auch mit der Polizei.