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Negativzinsen bedrohen Erspartes Ganderkeseer Banken bitten Sparer vorerst nicht zur Kasse

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 02.11.2016, 08:27 Uhr

Hohe Zinsen auf das Ersparte, das gehört auch bei örtlichen Banken und Sparkassen längst der Vergangenheit an. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt von den Geldhäusern Strafzinsen, wenn sie Geld bei der Notenbank horten. Diese „Verwahrgebühr“ reichen erste Geldhäuser in der Region bereits an ihre Kunden weiter.

Nach dem jüngsten Vorstoß der Bremischen Volksbank, ihre Privatkunden für deren Einlagen zur Kasse zu bitten, sorgen sich auch örtliche Sparer wegen einer Strafgebühr auf ihre Spareinlagen.

Hohe Zinsen auf Guthaben sind Vergangenheit

Hohe Zinsen für das Ersparte, das gehört auch bei hiesigen Banken und Sparkassen schon längst der Vergangenheit an.

Negativzinsen schließen die in der Gemeinde Ganderkesee präsenten Geldhäuser jedoch aus – zumindest vorerst. Das ergab eine dk-Umfrage.

Bremische Volksbank dreht an Gebührenschraube

Während die Bremische Volksbank in Kürze zunächst Gebühren auf private Geldvermögen ab einer halben Million Euro erheben möchte, hegen örtliche Institute derzeit noch nicht die Absicht, derartige Strafzinsen auf Kundeneinlagen einzuführen.

Vor Ort keine Negativzinsen

„Man beschäftigt sich auch bei uns mit dem Thema, doch wir sehen von Negativzinsen ab“, räumt Jürgen Kikker, einer der Vorstände der Vereinigten Volksbank Ganderkesee-Hude-Bookholzberg-Lemwerder, ein. Die neue Bank ist gerade erst aus der Übernahme der kleineren Volksbank Bookholzberg-Lemwerder durch den größeren Partner aus Ganderkesee-Hude entstanden.

Zu den Gründen der Fusion gehörte auch die nun bessere Aufstellung in dem zusehends schwieriger werdenden Marktumfeld.

„Vermögensverzehr auf Raten“

Für Kikker ist die von der Europäischen Zentralbank (EZB) fortgesetzt betriebene Niedrigzinspolitik „ein Vermögensverzehr auf Raten“. „Kurzfristig Liquidität zu parken, ist für Sparer nicht mehr attraktiv“, sagt er.

„Geldanlage ist Vertrauenssache“

Bei der Volksbank Delmenhorst Schierbrok nennt Vertriebsmanagement-Leiter Horst Klattenhoff den Grund, keine Zinsen auf das Ersparte zu erheben: „Geld anzulegen, ist eine Sache des Vertrauens“, betont er.

Das schenke der Kunde der Volksbank, die es mit Strafzinsen nicht leichtfertig verspielen wolle. Zinsen für die Sparer gibt es aber auch bei der Volksbank in Delmenhorst und Schierbrok auf Bargeldeinlagen kaum noch. „Wir bieten in diesem Marktumfeld andere Sparformen an“, nennt Klattenhoff die Alternative.

„Negativzinsen für Privatkunden sind bei uns kein Thema“, so die klare Aussage von Hans Günter Rostalski, Sprecher der Landessparkasse zu Oldenburg.

Und für die Oldenburgische Landesbank (OLB) erklärt deren Sprecher Timo Cyriacks: „Wir haben die Entwicklung genau im Blick und prüfen kontinuierlich unser Vorgehen. Zurzeit steht bei uns nicht auf der Agenda, Negativzinsen für Privatkunden zu berechnen.“

Schritt der EZB soll Kreditvergabe ankurbeln

Doch, so argumentieren alle Befragten, in die Glaskugel könne man eben nicht schauen. Auf lange Frist ganz ausschließen will darum keines der befragten Institute die Einführung von Negativzinsen.

Die EZB verlangt von allen Geldhäusern seit Längerem Strafzinsen, wenn diese Geld bei der Notenbank horten. Die EZB will mit dem Instrument der Strafzinsen die Kreditinstitute dazu bewegen, ihre Einlagen verstärkt zur Kreditvergabe zu nutzen. Das andauernde Niedrigzinsumfeld wird nach Auffassung der Deutschen Bundesbank zu einer enormen Herausforderung für Deutschlands Banken und Sparkassen werden. Schließlich hängt ihr Geschäftsmodell stark vom Zinsergebnis ab.

Steigen Gebühren weiter an?

Auch die Ära der kostenlosen Konten und günstigen Gebühren dürfte damit wohl bald dem Ende entgegengehen. Über Gebührenerhöhungen und neue Kontenmodelle wird in der Bankenwelt momentan stark nachgedacht – meist jedoch nicht öffentlich.