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Neue Antriebstechnik elektrisiert Ganderkeseer würden auf Elektroautos setzen

Von Ole Rosenbohm | 16.11.2018, 20:21 Uhr

Ganderkesee Lohnt sich ein Elektroauto? Experte Roland Klose berichtete in Ganderkesee über seine Erfahrungen. Seine Prognose: Wagen mit Verbrennungsmotoren werden sich bald die Reifen plattstehen.

Ist alles nicht so einfach mit den Elektroautos: Sie sind zu teuer. Die Batterie ist schnell alle. Das Aufladen dauert gefühlt ewig. Ladestationen gibt es ohnehin auch fast nirgendwo. Kein Wunder, dass die niemand kauft. Roland Klose kennt all diese skeptischen Äußerungen zur Elektromobilität – und teilt keine einzige von ihnen.

Verein „Elektromobilität Nord“

Im Gegenteil: Er fährt selber Elektroautos: einen privat, einen als Firmenwagen. Er gehört dem Verein „Elektromobilität Nord“ an, der eben solche fördern will, er ist sogar sein Vorsitzender. Und Klose erzählt in Vorträgen, wie es ist, so ein E-Auto zu fahren. Auf Einladung des Klimaschutzteams des Landkreises sprach er am Donnerstagabend in Ganderkesee über seine Erfahrungen. Großes Interesse weckte das Thema: Der Saal bei Starofit war voll besetzt, ohne vorherige Anmeldung kam keiner mehr rein. 80 Leute wollten wissen, wie lange etwa so ein Akku seine Ladekapazität behält. Antwort:lange.

Akku so frisch wie am ersten Tag

„Meiner ist fünf Jahre alt und der Akku fast so wie am ersten Tag“, sagte Klose. Kein Vergleich zu einem Laptop- oder Handy-Akku.

Klose betonte, er wolle keine Werbung für eine Marke machen, er wolle bloß das Thema nach vorne bringen: „Weil es Spaß macht, ein E-Auto zu fahren.“ Wer sich eins als Zweitwagen kauft, werde es bald als Erstwagen benutzen: „Euer Verbrenner, den ihr aus Sicherheitsgründen noch habt, wird sich die Reifen plattstehen“, prophezeite der Experte.

100 Kilometer Reichweite bei Eiseskälte

Und das trotz des Reichweiten-Problems, das für viele gar keines ist. Kloses Wagen können fast 200 Kilometer fahren, bei Eiseskälte immerhin noch 100. Neuere Modelle kommen schon auf über 300. Wer weit will, müsse „entschleunigt“ fahren, da selbst Schnellladevorgänge um eine dreiviertel Stunde oder mehr bis zur Vollladung brauchen. „Aber wie oft“, fragte Klose, „fahren Sie denn schon 1000 Kilometer in den Urlaub?“ Im Alltag reiche die Leistung locker. Und das Aufladen sei praktisch überall möglich – nicht nur an den Ladestationen, die in Ganderkesee etwa an der Stedinger Straße 61, am Dorfring 40 oder vor der LzO-Filiale am Grünen Weg stehen.

Billig sind die E-Autos nicht

Billig sind die Autos nicht, weiß auch Klose. Aber wer mit Strom fährt, fahre wohl auf Dauer günstiger: Vielleicht fünf Euro koste die Energie für hundert Kilometer, dazu müssen Besitzer in den ersten zehn Jahren keine Kfz-Steuer zahlen. Und die Wartung ist deutlich einfacher, wie sich beim Blick in den ziemlich aufgeräumten Motorraum schon erahnen lässt: kein Ölwechsel, nie neue Zündkerzen, kaum Reparaturen. 60 Euro im Jahr gebe er für Wartungen aus, sagte Klose. Aber nur für den Firmenwagen, sein eigener sei nie in der Werkstatt. „Warum auch? Er fährt ja.“

Falls doch was passiert, lassen sich Motor und Batterie in weniger als einer Stunde austauschen. Hersteller geben übrigens meist acht oder mehr Jahre Garantie auf den Akku. Dass das Fahren im E-Auto auch Spaß macht, konnten die Besucher bestätigen, die das Fahrgefühl schon mal erlebt haben. Wie Karin Herzog aus Ganderkesee, die von der hohen Beschleunigung schwärmt und von der Ruhe im Wagen selbst bei hohen Geschwindigkeiten. Sie spiele ernsthaft mit dem Gedanken, sich ein E-Modell zuzulegen. Kloses Vortrag bestätigte sie nur noch, eine anschließende Testfahrt noch mehr. Die verhältnismäßig knappe Reichweite wäre kein Problem: „Ich brauche 20 Kilometer zur Arbeit, der Akku reicht für jeden Umweg.“