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Neue Verordnung aus Berlin Gülle entzweit Gemüter bei Diskussion in Huntlosen

Von Reiner Haase | 23.04.2015, 12:12 Uhr

Gülle ist ein wichtiger Nährstofflieferant für den Ackerbau, bei Überdosierung aber auch eine Gefahr fürs Trinkwasser. Darüber stritten in Huntlosen Landwirte, Politiker und der Wasserverband.

Jetzt rollen wieder die Gülletanks über die Felder, und sie sorgen für Streit. Landwirte sehen das Abfallprodukt aus der Tierhaltung vor allem als Nährstoffquelle für den Ackerbau. Trinkwassererzeuger warnen vor zu viel Nitrat im Grundwasser. Je nach Farbe des Parteibuchs warnen Politiker davor, die Landwirtschaft so zu maßregeln, dass ihre Produktion an den Wünschen der Verbraucher vorbeigeht, oder sie fordern ein Umsteuern weg von der Massentierhaltung.

Neuauflage der Düngemittelverordnung

Die Vielfalt der Überzeugungen wurde am Mittwoch im Grünen Zentrum der Landwirtschaft in Huntlosen für eine Sendung der Reihe „Nordwestradio unterwegs“ zusammengetragen. Gestritten wird aktuell vor dem Hintergrund fieberhafter Arbeit in Berlin: Die Bundesregierung plant eine Neuauflage der Düngemittelverordnung. Sie soll im Herbst auf dem Tisch liegen.

Probleme durch starken Datenschutz

Einig waren sich Godehard Hennies vom Wasserverbandstag, Landwirt Heinz Koopmann aus Großenkneten sowie die Landtagspolitiker Helmut Dammann-Tanke (CDU) und Josef Voss (Grüne) in der Diskussion mit Nordwestradio-Moderator Stefan Pulß, dass die Verordnung mehr Klarheit schaffen muss, wo wieviel Gülle und Hühnermist anfallen und wohin die Nährstoffe gehen. Der Landwirt hofft, dass künftig die „schwarzen Schafe“ seines Berufsstands kenntlich werden, fürchtet aber überbordende Bürokratie für den einzelnen Betriebsleiter. Dammann-Tanke (CDU) weist darauf hin, dass alle erforderlichen Daten schon jetzt erfasst werden, aber aus Datenschutzgründen nicht zusammengeführt werden dürfen.

Klare Regeln gefordert

Hennies erwartet so klare Regeln, dass die Obergrenze von 50 Mikrogramm Nitrat pro Liter Trinkwasser überall problemlos eingehalten werden kann. In Niedersachsens müsse Trinkwasser teilweise schon aus verschiedenen Quellen gemischt werden. Voss (Grüne) fordert, Fleisch der Art der Erzeugung entsprechend genauso klar zu kennzeichnen wie Eier: „Eier mit der aufgestempelten 3 für Käfighaltung sind ganz schnell nicht mehr über die Ladentheke gegangen.“