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Neuer Markt in Ganderkesee Wird der Ganderkeseer Marktplatz zum Parkplatz?

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 25.05.2016, 20:17 Uhr

„Showdown“ im Rathaus? Nach einer gefühlten Ewigkeit, vielen Vorschlägen, noch viel mehr Wünschen sowie unzähligen Diskussionsrunden soll die künftige Gestaltung des Neuen Marktes in Ganderkesee am Donnerstagabend, 26. Mai, von dem ab 18 Uhr öffentlich tagenden Gemeindeentwicklungsausschuss endgültig auf den Weg gebracht werden.

Wie viel Autoverkehr verträgt, ja benötigt Ganderkesees unmittelbarer Ortskern, um weiterhin für Kunden, Kaufleute und Flanierende attraktiv zu bleiben? Der Zwist um den Anteil an Verkehrsflächen auf dem neu zu gestaltenden Ganderkeseer Marktplatz hat die Diskussion um seinen Umbau nachhaltig geprägt.

Auch die Aufenthaltsqualität des Platzes in seinem östlichen Teil, entlang der Wohn- und Geschäftsbebauung, bot immer wieder Anlass zur Kritik.

Kreye-Entwurf bevorzugt

Derzeit liegen mehrere Entwürfe zur Neugestaltung des Marktplatzes in Ganderkesee vor. Von der Verwaltung war der Entwurf von Volker Kreye favorisiert worden. Dem Gemeindeentwicklungsausschuss wird deshalb empfohlen, zu beschließen, auf der Grundlage dieses Konzepts eine Entwurfsplanung für die Umgestaltung des Neuen Marktplatzes zu erarbeiten.

Hohe Erwartungen

Wie unterschiedlich, ja teils gegensätzlich die Erwartungen an die Funktion des umgestalteten Neuen Markts sind, offenbarte zuletzt die von der Gemeinde am 3. Mai initiierte Bürgerversammlung .

Neben einer Scharnierfunktion, der Heranführung von Passanten vom Famila-Markt an die Rathausstraße soll der Platz nach den Wünschen vieler Bürger auch „multifunktionell“ nutzbar bleiben und zu einer hohen innerörtlichen Verweildauer beitragen. Auch die Etablierung einer Gastroszene hatte Anwohnersprecher Jörg Vollstedt hierbei ins Gespräch gebracht.

Immer weniger Kunden an der Rathausstraße

Vor dem Hintergrund, dass sich in die Rathausstraße wegen der neuen nördlich gelegenen Märktezentren Aldi/Inkoop und Famila/Rossmann immer weniger Kunden „verirren“ und Geschäfte Parkplätze brauchen, um direkt angesteuert zu werden, hatte Manfred Neugebauer von der GanterMarkt-Planungsgruppe vehement gefordert, ausreichend Parkplätze im westlichen Teil auszuweisen, die sowohl von der Rathausstraße als auch vom Grünen Weg angefahren werden können.

GanterMarkt will ausreichend Parkplätze

„Das hat für uns oberste Priorität“, betonte Neugebauer am Mittwoch noch einmal. Auch soll nach dem Willen der Kaufleute die gesamte Platzfläche auf ein Höhenniveau gebracht werden. Denn auch für Lastwagen müsse der Marktplatz befahrbar sein, was im Zusammenspiel mit mobilen Stadtmöbeln und der Verlegung von Strom- und Wasseranschlüssen für höchste Flexibilität bei Veranstaltungen sorgen soll.

Für die Kaufleute ist nämlich klar, dass der Neue Markt künftig viel stärker als Veranstaltungsplatz genutzt werden soll. „Das kulturelle Leben muss zusätzlich gefördert werden“, regte Neugebauer an.

Frühstücksveranstaltungen am Sonntagmorgen gehören ebenso zu den unkonventionellen Vorschlägen der Kaufleute wie Spezial-Flohmärkte oder die bewährten saisonalen Veranstaltungen vom Frühlingserwachen bis zum Weihnachtsmarkt.

Barrierefreiheit gefordert

Für Doris Josquin vom Arbeitskreis der Selbsthilfe- und Initiativgruppen der Gemeinde Ganderkesee (A.S.G.) hat wiederum die Barrierefreiheit des gesamten Areals Vorrang. „Wir wollen keinen zweiten Festplatz wie an der Raiffeisenstraße, der mit Kopfsteinpflaster versehen ist und für Gehbehinderte kaum nutzbar ist“, machte sie klar. Auch sie möchte Parkplätze. Diese sollen aber vor allem breit genug sind: „Senioren und Familien mit Kinderwagen müssen gut parken können.“ Auch Behindertenparkplätze seien wichtig.

Hoher Identifikationswert

Auf den hohen Identifikationswert des Neuen Markts für die Bürger und seine Bedeutung für die Attraktivität des Hauptorts wies Rolf Kuhlmann, Sprecher einer Bürgergruppe, am Mittwoch nochmals hin. Kuhlmann warnte davor, zu kurzfristig zu planen:

„Autos ja oder nein?“

„Die Diskussion ist doch längst zur Frage ,Autos ja oder nein‘ verkommen“, stellte er fest.

Dabei brauche Ganderkesee laut Kuhlmann „einen ansprechend gestalteten Platz mit zentraler Identifikationskraft und keine ,Klinkerwüste‘, wie sie der Arp-Schnitger-Platz nach seiner Neugestaltung darstellt“. Zudem seien ja auch das Verkehrs- und das Einzelhandelskonzept für Ganderkesee noch nicht erstellt, erinnerte er.

Flickwerk vermeiden

„Jetzt die Planung für den Neuen Markt auf den Weg zu bringen, würde angesichts der fehlenden Konzepte nur ein Flickwerk bedeuten“, betonte Kuhlmann.

Die Grünen wollen Projekt vertagen

Das sehen auch die Grünen im Gemeinderat so: Ratsherr Dr. Volker Schulz-Berendt hatte vergangene Woche die Vertagung der Einleitung weiterer Planungsschritte in die nächste Wahlperiode und die Durchführung eines Moderationsverfahrens gefordert.

Kompromiss möglich

Der Orts- und Heimatverein Ganderkesee kann sich einen Kompromiss in dieser schwierigen Gemengelage vorstellen: „Der Platz ist so groß, dass sich bei geschickter Planung Aufenthaltsqualität und ausreichend Parkplätze miteinander vereinbaren lassen“, sagte der Vereinsvorsitzende Gerold Ahlers und schob nach: „Aber nicht so viele Parkplätze wie sie GanterMarkt forderte.“