Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Niederdeutsches Bühnenfestival 200 Plattsnaker spielen in Ganderkesee Theater

Von Alexandra Wolff | 18.06.2018, 12:48 Uhr

Für drei Tage verwandelte sich das Gymnasium in Ganderkesee zu einer Mischung aus Campingplatz und Bühne. Und wäre der Eintritt zum zehnten Niederdeutschen Jugendtheaterfestival nicht frei gewesen, hätte man jede Vorstellung als „ausverkauft“ bezeichnen können.

Als „Botschafter für die plattdeutsche Sprache“ bezeichnete der niedersächsische Minister für Kultur und Wissenschaft, Björn Thümler, die 200 jungen Schauspieler, die beim zehnten Niederdeutschen Jugendtheaterfestivals im Ganderkeseer Gymnasium aufgetreten sind. Mit seiner Rede eröffnete er am Freitag, 15. Juni, das Festival, das das ganze Wochenende über andauerte.

„Ich gehöre zu einer Generation, bei der die Plattdeutsch-Vermittlung nicht so wichtig war“, begründete er, weswegen er als einziger Redner seine Grußworte ausschließlich auf Hochdeutsch an seine Zuhörer richtete. Dass ihm das Niederdeutsche nichtsdestoweniger am Herzen liegt, verdeutlichten Aussagen wie: „Plattdeutsch kann dem Süddeutschen etwas entgegensetzen. Plattdeutsch ist kein ‚mia san mia‘, sondern eine eigene Sprache.“

Bürgermeisterin Alice Gerken hielt während ihres Grußwortes eine Postkarte noch, auf der „Hochdüütsch kann jeden Dösbaddel snacken, Platt is for de Plietschen“ („Hochdeutsch kann jeder Trottel sprechen, Platt ist für die Pfiffigen“) zu lesen war. Sie lobte damit die Jugendlichen aus Niedersachsen (und auch die eine Gruppe, die aus Wismar angereist war), weil viele Kinder Platt erst lernen müssen und nicht zur Muttersprache haben.

Stück mit Clou

Als Gastgeber eröffneten die „Jungs un Deerns“ des Niederdeutschen Theaters Delmenhorst (NDT) mit ihrem aktuellen und preisgekrönten Theaterstück „Dat Vermächtnis vun de Falkenborg“ das Festival. Nur sie und das Wilhelmshavener „Theater am Meer“ traten mit einem vollständigen Theaterstück auf. Die Gruppen aus Neuenburg, Emden, Brake, Osterholz-Scharmbeck, Wiesmoor, Varel, Wismar, Cuxhaven und Nordenham zeigten jeweils halbstündige Auszüge oder Zusammenfassungen ihrer Stücke.

„Fastbunnen“ vom „Theater am Meer“ wurde 2012 mit dem ersten Karl-Mahnke-Theaterpries für niederdeutsche Nachwuchsautoren ausgezeichnet, erläuterte der Wilhelmshavener Arnold Preuß. Er ist zugleich der Präsident des veranstaltenden Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen und Bremen. „Es geht um Kindsmord: Ein junges Mädchen ist schwanger, ihr Freund verlässt sie, in ihrer Verzweiflung tötet die junge Frau ihr eigenes Kind und wird schließlich selbst hingerichtet“, fasst Preuß das Stück zusammen. Und da es bereits abgespielt ist, darf der Clou am Ende des Stückes verraten werden: Die Geschichte entpuppt sich am Ende als Traum des Mädchens, was die Handlung – angesichts des jungen Publikums – etwas verdaulicher macht.

Festival der kurzen Wege

Dirk Wieting vom Ausrichter NTD zeigte sich nach dem Festival sehr zufrieden. „Wie viele Gäste von außerhalb kamen, kann ich schwer einschätzen, weil wir ja keinen Eintritt verlangt haben“, sagte er. „Aber die Stühle für das Publikum waren eigentlich immer alle besetzt.“ Alle zwölf Aufführungen hat er sich angesehen und fand, dass jedes Stück wert war, gesehen zu werden. „Außerdem war das ein Festival der kurzen Wege“, lobte er die Idee, das Gymnasium zur Austragungsstätte ernannt zu haben: schlafen in der Sporthalle, essen in der Mensa, aufführen und zuschauen in der Aula und aufwärmen auf dem Sportplatz. Kein Wunder also, dass wieder alle auf die Delmenhorster schauten, als angesprochen wurde, dass der Ausrichter für 2019 noch nicht feststeht. „Nein, da muss jetzt eine andere Bühne ran“, seufzte Wieting. Denn so schön es auch war – angestrengt hat es irgendwie auch.