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Nisthilfen im Windpark geplant Gegenwind für den Weißstorch in der Sannauer Helmer

Von Dirk Hamm | 11.10.2016, 18:00 Uhr

Kräftigen Gegenwind bekommt der Orts- und Verkehrsverein Schönemoor für seine Pläne, mittels Nisthilfen die Ansiedlung des Weißstorchs im Marschgebiet Sannauer Helmer zu fördern. Während eines Informationsabends in der Gaststätte Bücking in Neuenlande wurden zahlreiche Einwände gegen das Vorhaben vorgebracht.

Als Knackpunkt erwies sich dabei eine zu große Nähe der möglichen Horst-Standorte zu den geplanten Windrädern des Windparks am Sannauer Helmer. „Wir schieben das Projekt seit fünf, sechs Jahren vor uns her“, erklärte Harm Ehlers, Vorsitzender des Orts- und Verkehrsvereins Schönemoor, vor rund 65 Zuhörern in der überfüllten Gaststätte. Vor vier Wochen sei mit Behördenvertretern eine Besichtigungstour zu den möglichen Standorten der Nisthilfen für die bedrohte Vogelart im Bereich der Ortschaften Horst, Schönemoor und Neuenlande unternommen worden. Erst dabei sei den Initiatoren des Weißstorch-Projekts deutlich geworden, dass in diesem Fall der Naturschutz und die Interessen der Windparkbetreiber auf Konfliktkurs liegen könnten.

Tabuzone für Storchennester rund um Windkraftanlagen

Tatsächlich brachte Carsten Schurwanz als Vertreter der Windkraft-Projektierungsgesellschaft Gamesa erhebliche Bedenken gegen Nisthilfen für Weißstörche im unmittelbaren Einzugsgebiet der Windkraftanlagen zum Ausdruck. Da Weißstörche eine große Fläche für die Nahrungssuche benötigten, sei naturschutzrechtlich ein „Tabubereich“ von 1000 Metern rund um ein Windrad definiert worden. Darüber hinaus sei eine Zone mit einem Radius von 2000 Metern festgelegt worden, innerhalb derer Storchennester bedenklich seien.

Einschränkungen der Betriebszeiten drohen

Die nach den Vorstellungen des Orts- und Verkehrsvereins Schönemoor infrage kommenden Standorte für Kunsthorste liegen jedoch nach Angaben von Schurwanz in einem Bereich zwischen 800 und knapp 1700 Metern Entfernung von den geplanten Windanlagen. Das Problem für die Windparkbetreiber: Verenden Weißstörche infolge von Kollisionen mit den Rotoren, seien aus naturschutzrechtlichen Gründen starke Einschränkungen der Betriebszeiten die Folge. „Wenn die vorgeschlagenen Horste kommen, besteht die Gefahr, dass man hier keine Windenergie machen kann“, sagte Schurwanz.

Zweifel an der Notwendigkeit von Nisthilfen

Mit deutlichen Worten wies auch Gerd Schütte als Vertreter der 20 Investorenfamilien, die drei Windräder in der Sannauer Helmer errichten wollen, die Pläne für die Storchennester zurück: „Wenn es zu Abschaltungen kommt, treibt uns das in den Ruin.“

Sowohl Ganderkesees Gemeindeentwicklungsleiter Peter Meyer als auch Eva-Maria Langfermann von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Oldenburg rieten dazu, genau zu prüfen, wo die nicht genehmigungspflichtigen Nisthilfen aufgestellt werden können, ohne die Belange der Windparkbetreiber zu beeinträchtigen. Meyer wies darauf hin, dass es wegen der Einwände der Deutschen Flugsicherung schon „erhebliche Probleme“ im Genehmigungsverfahren für die Windkraftanlagen gebe. Mehrere Versammlungsteilnehmer zogen die Notwendigkeit von Nisthilfen für Weißstörche generell in Zweifel. „Wir brauchen die Störche gar nicht anzulocken, sie sind schon da“, merkte ein Gast an.

Weißstorch-Projekt nicht gegen Windpark gerichtet

Harm Ehlers räumte am Ende der Veranstaltung ein, „blauäugig an das Projekt herangegangen“ zu sein und betonte, dass es keinesfalls die Absicht sei, den Windpark am Sannauer Helmer zu torpedieren. Zugleich sicherte er zu, mit der Gamesa weiter in Kontakt zu bleiben, um nach Alternativen zu suchen. Carsten Schurwanz hatte zuvor die Möglichkeit ins Spiel gebracht, gemeinsam mit dem Orts- und Verkehrsverein flankierend zu den bereits festgelegten Kompensationsmaßnahmen zusätzliche Schutzräume etwa für den Kiebitz zu schaffen.