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Notfallversorgung im Landkreis Anonyme Vorwürfe gegen Leitung des Rettungsdienstes

Von Dirk Hamm | 27.09.2016, 09:48 Uhr

Die schnelle medizinische Versorgung von Notfallpatienten im Landkreis Oldenburg ist möglicherweise nicht mehr ausreichend gewährleistet. Das behauptet der Verfasser einer anonymen Zuschrift, die unsere Redaktion erreicht hat. Der Absender ist nach eigenen Angaben „zurzeit noch Mitarbeiter im Rettungsdienst des Landkreises Oldenburg“.

Kern des Vorwurfes ist, dass eine „mittlerweile unerträgliche Situation“ eingetreten sei, nachdem in den vergangenen sieben Wochen acht haupt- und nebenamtliche Mitarbeiter der Rettungswachen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Ganderkesee und Bookholzberg gekündigt hätten. Drei neu eingestellte Mitarbeiter seien von ihren Verträgen zurückgetreten. Auch sei der Krankenstand in den beiden Rettungswachen spürbar angestiegen.

Vorwurf eines auf Druck basierenden Führungsstils

Als Konsequenz der Personalengpässe seien Rettungsmittel in Ganderkesee teilweise vom Rettungswagen zum Krankenwagen heruntergestuft, teilweise stunden- oder tageweise bei der Rettungsleitstelle abgemeldet worden, heißt es in dem Schreiben weiter. Grund für die Kündigungen und den hohen Krankenstand ist laut Verfasser ein auf Druck basierender Führungsstil des Ärztlichen Leiters Rettungsdienst des Landkreises Oldenburg, Dr. Peter Günther. Dieser habe nach der Kündigung des Rettungsdienst-Vertrags zwischen Landkreis und DRK zum Jahresende faktisch die Leitung in beiden Wachen übernommen. Der Mediziner war am Montag zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen.

Landrat weist anonymes Schreiben als „feige“ zurück

Landrat Carsten Harings, an den das anonyme Schreiben ebenfalls gesendet worden war, bezeichnete es in einer Reaktion als „feige und gemein“. Inhaltlich ging er aber nicht auf die gegen den Ärztlichen Leiter, einen Mitarbeiter der Kreisverwaltung, gerichteten Vorwürfe ein. Die Kreisverwaltung stehe nach den Turbulenzen um die Kündigung des Vertrags derzeit in „guten, intensiven und vor allem konstruktiven Gesprächen“ mit dem DRK-Kreisverband.

Johanniter und Malteser dementieren Personalabgänge

Nach Angaben des Briefschreibers handele es sich bei der prekären Personalsituation nicht um ein spezifisches Problem des DRK. Auch bei der Johanniter-Unfall-Hilfe und dem Malteser Hilfsdienst habe es zuletzt Abgänge von langjährigen und hoch qualifizierten Mitarbeitern im Rettungsdienst gegeben.

Eine Situationsbeschreibung, die bei den beiden angesprochenen Rettungsdiensten auf Unverständnis stößt. Dimiter Dikov, Leiter der Rettungswache Ahlhorn der Johanniter, weiß nichts von Kündigungen: „Ich kann definitiv sagen, dass das nicht der Fall ist.“ Ähnlich die Auskunft von Frank Flake, der den Rettungsdienst der Malteser im Landkreis Oldenburg leitet: „Ich kann zu 100 Prozent verneinen, dass es Kündigungen gegeben hat.“