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Notruf erfolgt oft ohne Notfall Retter in Ganderkesee in allen Lagen gefordert

Von Dirk Hamm | 13.04.2017, 12:55 Uhr

Immer häufiger wird der Rettungsdienst gerufen, ohne dass ein Notfall vorliegt. Mit einer innovativen Trage sind die Malteser für besonders schwere Patienten gerüstet.

Der Rücken schmerzt heftig, auch nach Wochen wird es nicht besser. Eigentlich ein Fall für den Haus- oder Facharzt, sollte man meinen. Stattdessen wird nicht selten die Notrufnummer gewählt, und der Rettungswagen rückt an, hat Markus Wegner, Leiter der Rettungswachen der Malteser in Ganderkesee und Bookholzberg, festgestellt: „Das ist der Klassiker. Häufig wird der Rettungswagen aus Unkenntnis heraus bestellt.“

Der 52-Jährige bestätigt auf Nachfrage, dass die Skrupel, den Rettungsdienst auch für weit banalere Probleme als ernsthafte Notsituationen zu bemühen, in der Bevölkerung spürbar weniger geworden sind. So werde gerne auch Mal der Rettungswagen gerufen, weil nicht schnell genug ein Termin um längere Wartezeiten beim Arzt zu umgehen.

Kein böser Wille unterstellt

Allerdings wolle er niemandem bösen Willen unterstellen, wenn eines der an der Urneburger Straße stationierten Fahrzeuge letztlich ungerechtfertigt angefordert wird. Laut Wegner kann es beispielsweise vorkommen, dass heftige Brustschmerzen, die für einen Herzinfarkt gehalten werden, sich als Folge eines eingeklemmten Nervs entpuppen. „Wir zeigen in solchen Fällen Verständnis, denn für den Betroffenen ist es in der Situation eine ernste Angelegenheit“, sagt Wegner. Zugleich betont er, dass niemand im Falle von starken Schmerzen, Blutungen, neurologischen Ausfällen oder Atemnot zögern solle, den Notruf zu wählen.

„Wir haben es mit einem erhöhten Anspruchsdenken der Menschen zu tun. Der Rettungsdienst ist für viele, die nicht lange auf einen Arzttermin warten wollen, ein willkommener Helfer“, sagt auch Frank Flake, Leiter des Malteser-Rettungsdienstes in der Stadt und im Landkreis Oldenburg. Dieser bundesweite Trend sei auch in unserer Region zu beobachten, allerdings „in der Stadt deutlich ausgeprägter“ als im ländlichen Raum.

Demografische Entwicklung als einer der Gründe

Zwar seien die Gründe für diese Verhaltensänderung noch nicht studienmäßig erfasst, so Flake, aber auszugehen sei von Faktoren wie die demografische Entwicklung samt der Vereinsamung vieler vor allem älterer Menschen, aber auch die Ausdünnung von Klinik- und ärztlichen Bereitschaften.

Ein Trend, der die Arbeit der Rettungssanitäter und -assistenten buchstäblich erschwert, ist das seit Jahren im Schnitt ansteigende Gewicht der Patienten. Einer der beiden in der Rettungswache an der Urneburger Straße stationierten Rettungswagen ist im Zuge des Ende 2016 erfolgten Betreiberwechsels vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) zu den Maltesern neu in Dienst gestellt worden. Zur Ausstattung gehört eine Trage, die erstmals elektrisch unterstützt ist und eine deutlich höhere Tragfähigkeit als Vorgängermodelle besitzt.

Keine Probleme im ersten Vierteljahr

Gut ein Vierteljahr nach der Übernahme des Rettungsdienstes durch die Malteser hat sich der erste Eindruck eines reibungslosen Übergangs (dk berichtete) laut Flake bestätigt: „Alles lief völlig problemlos. Unser Vorteil war, dass wir im Landkreis im Rettungsdienst schon lange aktiv sind. Wir mussten nur die Rettungswache in Ganderkesee in unsere Systematik integrieren.“ Die neuen und die vom DRK übernommenen Mitarbeiter hätten sich „alle aneinander gewöhnt“.

Dass während der jetzt laufenden europaweiten Ausschreibung noch offen ist, wer den Rettungsdienstbetrieb in der Gemeinde dauerhaft zugesprochen bekommt, beeinträchtige die tägliche Arbeit nicht, versichert Wegner: „Unsere Planungen gehen über den Tag X hinaus.“