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Öko-Projekt in Ganderkesee Heckengarten könnte Touristenattraktion werden

Von Dirk Hamm | 09.11.2017, 20:08 Uhr

Das Projekt eines Heckengartens treiben die Ganderkeseer Verwaltung und Wallhecken-Experte Georg Müller voran. An der Dummbäke ist bereits ein Grundstück erworben worden.

Feldeinfriedungen gibt es in vielen Variationen: Hecken, Erdwälle, Erdsteinwälle, Feldmauern, Zäune. Allein rund 180 verschiedene Heckenstile hat der Ganderkeseer Georg Müller in seinem zweibändigen Standardwerk „Europas Feldeinfriedungen“ identifiziert. Einen ganz direkten Eindruck davon, wie der Mensch seit Jahrhunderten das Landschaftsbild auf diese Weise prägt, soll künftig ein Heckengarten auf dem Gebiet der Gemeinde Ganderkesee ermöglichen.

Grundstück für Heckengarten wäre vorhanden

Ein solches Vorhaben ist am Mittwoch vom Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz grundsätzlich befürwortet worden. Passiert die Vorlage am 6. Dezember auch den Verwaltungsausschuss, dann ergeht an die Verwaltung der Auftrag, gemeinsam mit Müller einen konkreten Entwurf für einen Heckengarten zu erarbeiten, in dem die Vielfalt der unterschiedlichen Feldeinfriedungen beispielhaft und konzentriert an einem Ort gezeigt wird.

Ein mögliches Grundstück für einen Heckengarten ist bereits ausgeguckt: In der Nähe der Dummbäke zwischen Birkenheider Straße und Am Kamphusmoor hat die Gemeinde eine rund 1,6 Hektar große Fläche angekauft.

Nicht nur für Fachpublikum interessant

„So ein Projekt gibt es nirgendwo sonst“, sagte Peter Meyer, Fachbereichsleiter für Gemeindeentwicklung, in der Ausschusssitzung. Ein Heckengarten sei nicht nur für ein Fachpublikum von Interesse, sondern auch als Ort der Umweltbildung. Außerdem könnte sich das Areal zum Anlaufpunkt für Touristen entwickeln. Georg Müller betonte die natur- und kulturhistorische Bedeutung der Feldeinfriedungen, von denen zahlreiche auch in Ganderkesee anzutreffen sind: „Sie gehören zu unserem bäuerlichen Kulturerbe.“ Ein Erbe, das zum Teil bereits nicht mehr vorhanden oder im Begriff sei, verloren zu gehen. Der bisherige Maisacker würde durch das Anlegen eines Heckengartens als Lebensraum für Insekten und Vögel um ein Vielfaches ökologisch aufgewertet und diene der Gemeinde auch als Ausgleichsfläche.

CDU stimmt gegen Vorlage

Die vier CDU-Ausschussmitglieder stimmten als einzige gegen die Vorlage. Günter Westermann begründete das damit, dass aus Sicht seiner Fraktion die Folgekosten „nicht absehbar“ seien, man wolle zunächst ein ausgearbeitetes Konzept sehen. Peter Meyer erwiderte, dass der Heckengarten „sicher nicht zum Nulltarif zu haben“ sei, es aber gute Aussichten auf Fördermittel gebe.

Grünen scheitern mit Klimaschutz-Antrag

Der Umweltausschuss befasste sich auch mit der Grünen-Forderung nach einer eigenen Bilanz der CO2-Emissionen für Ganderkesee und einer Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts bis 2030. Der Antrag wurde abgelehnt. Grünen-Fraktionschef Volker Schulz-Berendt äußerte sein Unverständnis darüber, dass in anderen Zusammenhängen Hunderttausende Euro durchgewinkt würden, die Mittel für die laut Verwaltung etwa 4500 teure Bilanzerstellung aber nicht vorhanden sein sollen.

Mehr Glück hatten die Grünen mit einem weiteren Antrag: Der Ausschuss sprach sich dafür aus, dass die Gemeinde sich darum bemüht, die Kriterien als „Fairtrade-Gemeinde“ zu erfüllen.