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Oldenburgische Kirche hat Finanzen nicht im Griff Harter Sparkurs erreicht Ganderkeseer Kirchengemeinde

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 10.12.2016, 08:34 Uhr

Weil sich die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg einen massiven Sparkurs verordnen musste, beginnt nun auch in der Ganderkeseer Kirchengemeinde das Rechnen. Künftig, so die Befürchtung, werden Zuschüsse der oldenburgischen Kirche ausbleiben. Das hat bereits Auswirkungen auf die Investitionsplanungen und die Jugendarbeit in der Gemeinde mit ihrer Hauptkirche St. Cyprian und Cornelius.

Erst nach einer Fülle von Sparmaßnahmen und Ausgabenkürzungen gelang es der oldenburgischen Kirche auf ihrer Herbstsynode, den neuen Haushalt tragfähig zu gestalten. Dennoch, so der Beschluss der Synode, müssen 1,7 Millionen Euro an Rücklagen zur Finanzierung herangezogen werden, berichtet der Evangelische Pressedienst.

Oldenburgische Kirche erkennt Verwaltungsmängel erst spät

Durch die Umstellung auf das Modell der „doppischen Haushaltsführung“, die kaufmännische Buchführung, habe sich erstmals ein wirklich realistischer Blick auf das Vermögen und die Schulden der Landeskirche offenbart.

Immense Rücklagen für Pensionen

Der „Kassensturz“ offenbarte Verwaltungsmängel und war trotz immenser Rücklagen von 143 Millionen Euro tief: Vor allem für die Versorgung der pensionierten Geistlichen ist ein Großteil der Millionen gedacht und somit nicht antastbar. Lediglich 3,3 Millionen Euro sind frei verfügbar. Auch hatte es in Kirchengemeinden der Stadt Oldenburg erhebliche Misswirtschaft zum Nachteil der oldenburgischen Kirche gegeben.

Arbeit vor Ort in den Gemeinden leidet

Die Synode wird als Sofortmaßnahme nun frei werdende Diakonenstellen vorerst für ein Jahr nicht wieder besetzen. Das wirkt sich in Ganderkesee aus: „Die Jugendarbeit leidet“, sagt Pastorin Uta Brahms. Weiterhin werden die Konfirmanden von den Pastoren begleitet und die Kinderbibeltage von Ehrenamtlichen wie Rieke Hollmann organisiert.

Der Jugendarbeit vor Ort fehle aber die Unterstützung, erläutert Brahms und verweist auf gute, aber inzwischen eingestellte Ansätze: „Wir hatten im Februar einen von einem Jugenddiakon und engagierten jungen Gemeindemitgliedern vorbereiteten, gut besuchten Jugendgottesdienst. Dieses erfolgreiche Format kann nun mangels Personal nicht fortgesetzt werden“, bedauert Brahms. Auch der Klimaschutz wird wohl vorerst auf der Strecke bleiben.

Auch Klimaschutz wird zurückgestellt

„Der Austausch der alten Fenster des denkmalgeschützten Gemeindehauses am Ring muss zurückgestellt werden“, räumt der Synodale und Kirchenälteste Helge Treiber ein.

Hohe Heizkosten

„Im Moment heizen wir de facto für draußen“, beschreibt Brahms den hohen Energieverbrauch. Dabei hat die oldenburgische Kirche beschlossen, ihre Klimabilanz zu verbessern. Bis 2020 will sie die Kohlendioxid-Emissionen um ein Viertel reduzieren.

Auch weniger Einnahmen durch Kirchenaustritte

Treiber gibt dennoch einen optimistischen Ausblick: „Weitere Einsparungen müssen wir nicht vornehmen, wir haben noch Rücklagen. Was uns als Ortskirche hart trifft, sind die Kirchenaustritte und damit der Rückgang der Kirchensteuer.“