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OOWV-Experte urteilt So „innovativ“ schützt sich Ganderkesee vor Hochwasser

Von Merlin Hinkelmann | 22.08.2017, 10:19 Uhr

Starkregen und Gewitter haben die Menschen Niedersachsens in letzter Zeit in Atem gehalten. Entscheidend in solchen Fällen, auch in der Gemeinde Ganderkesee, ist die richtige Entwässerung.

Die Beobachtung von Reinhard Hövel fällt eindeutig aus: „Starkregen nehmen zu, gleichzeitig erleben wir in den vergangenen Jahren eine Häufung von Überschwemmungen.“ Hövel muss es wissen, als Experte beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV). Er ist Sachgebietsleiter Planung und Bau bei der Stadtentwässerung Oldenburg.

Zehn Jahre lang, von 1991 bis 2001, war Hövel Leiter der Tiefbau-Abteilung in Ganderkesee. Er kennt die Gemeinde – und er kennt die „Problemzonen“. Die Kreuzung an der Gruppenbührener und Urneburger Straße ist so eine, bei Starkregen nicht selten überschwemmt. „Das ist vor allem durch die Höhenlage bedingt“, weiß Hövel.

Grünbepflanzung als passiver Hochwasserschutz

Doch was können die Menschen tun, um im Falle von starken Unwettern nicht wortwörtlich abzusaufen? Eine wichtige Maßnahme ist die Dachbegrünung. Denn: Hausdächer machen einen Großteil der Flächen aus, bei denen Wasser abfließt. „Pflanzen auf dem Dach können Wasser zwischenspeichern und so bis zu 70 Prozent des Niederschlages zurückhalten“, erklärt Hövel.

Daneben schirme die Bepflanzung Hitze im Sommer ab und habe im Winter eine dämmende Wirkung, „nur Vorteile also“. Wer einen Keller hat, der sollte an eine funktionierende Rückstausicherung in Form einer Platte oder Pumpe denken, um einen möglichen Wasserschaden abzuwenden. Für Hövel ist eine Rückstausicherung „Pflicht“. „Ist sie defekt, zahlt im Zweifel auch die Versicherung nicht.“

Regenwasserversickerung damals „sehr innovativ“

Eine weitere Möglichkeit, Überschwemmungen zu verhindern, ist die sogenannte Regenwasserversickerung, bei der das Niederschlagswasser in den Untergrund versickert. „Das macht man dort, wo keine Kanalisation vorhanden ist“, weiß Hövel. Die Versickerung geschieht zum Beispiel über Schächte oder offen bewachsene Mulden am Straßenrand. Voraussetzung ist in jedem Fall ein Sandboden.

Die Methode der Regenwasserversickerung hat man in Ganderkesee laut Höver „in großem Maßstab angewendet, um das Regenwassernetz zu entlasten“. In den 90er Jahren sei das noch Neuland gewesen, damals sehr innovativ, wie Höver betont. Auch die Regenwasserrückhaltung ist ein wichtiges Stichwort.

Eine Technik, die zum Beispiel im Gewerbegebiet an der Westtangente zum Einsatz kommt. Dort steht ein großes Rückhaltebecken, in dem das Wasser erst gespeichert wird, bevor es in die Gewässer fließt.

Toilettenspülung mit Regenwasser

Ganderkesee selbst, so sieht es der Experte, sei im Vergleich zu anderen Regionen „nicht auffällig“, wenn es um die Überschwemmungen nach Unwettern geht. „Ganderkesee war eine der ersten Kommunen überhaupt, die einen Generalentwässerungsplan hatten“, lobt Hövel und schiebt nach: „Die Gemeinde hat in Sachen Entwässerung in der Vergangenheit verhältnismäßig viel investiert.“

Als Beispiel führt der OOWV-Experte unter anderem die Toiletten-Spülung im Rathaus an. „Die läuft mit Regenwasser.“