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Tag der offenen Tür In Bürsteler Heimatstube Reise in die eigene Vergangenheit

Von Niklas Golitschek | 25.08.2019, 15:15 Uhr

Rund 4000 Exponate aus 300 Jahren Ortsgeschichte: Beim Tag der offenen nutzten etwa 150 Besucher die Gelegenheit, auf eine Reise in ihre eigene Vergangenheit zu gehen.

Der Orts- und Heimatverein Ganderkesee hat am Samstag wieder die Türen seiner Heimatstube geöffnet. In dem kleinen Museum der ehemaligen Schüle am Heidenwall in Bürstel sahen sich rund 150 Gäste die mehr als 4000 Exponate an.

Eigene Erinnerungen

Auch die Veranstalter selbst lernten dabei immer wieder Neues über ihre Ausstellungsstücke. Der Vereinsvorsitzende Gerold Ahlers blieb etwa an einem alten Küchengerät, ein „Piccolo“ von Electro AS, stehen und nahm das Gerät mit dem herkömmlichen Aufsatz zum Mixen in die Hand: „Dafür gab es auch einen Staubsaugeraufsatz.“ Das habe Ahlers selbst von einem Besucher erfahren. Wenn er dann ergänzte, dass es „zu jedem Stück eine Geschichte gibt“, dann traf das nicht nur auf die Geräte selbst zu. Auch die Gäste verbanden damit eigene Erinnerungen. Ein Besucher erzählte beispielsweise bei einem Schnellrechengerät, wie er damit einst eine Rechnung in Höhe von 1,2 Millionen D-Mark erstellte. Bis zu 300 Jahre alte Exponate

Genau diese Reise in die eigene Vergangenheit schätzte auch Besucherin Elke Jeurink. Durch eine Freundin erfuhr sie vom Tag der offenen Tür und kam nun erstmals in die Heimatstube. „Ich habe meine ganze Jugend, meine Schulbank und meine Lehrstelle gesehen“, freute sich die gelernte Einzelhandelskauffrau über den Ausflug mit fünf Freunden. „Das war schön und ist toll gemacht.“

Dass die bis zu 300 Jahre alten Exponate noch so gut aussehen und ansehnlich ausgestellt werden, ist Günter Fleischer als zuständigem für die Heimatstube und den Freiwilligen des Orts- und Heimatvereins zu verdanken. Er selbst kümmert sich Woche für Woche um das kleine Museum, alle zwei Monate kommen die Freiwilligen außerdem zum Arbeitsdienst. Vor dem Tag der offenen Tür steht dann noch der Großputz an. Das neueste Ausstellungsstück ist eine alte Schlachtbank eines Hausschlachters aus der Gemeinde. „Nach dem Deutz-Trekker-Treffen war der Besitzer hier und war begeistert vom Museum“, erzählte Fleischer. Da habe er sein historisches Arbeitsgerät mit Bank, Bolzenschießer, Strick, Klauenentferner, Knochensäge und Kleidung gespendet. Gerät, das Fleischer auch aus seiner eigenen Kindheit noch kennt: „Wir hatten selbst zwei Schweine im Stall, und jeden Winter kam der Hausschlachter auf den Hof.“

Alles Spenden

So wie die Schlachtbank kommen alle Stücke in die Heimatstube. Ob nun Haushaltsgeräte, Schreibmaschinen oder Möbel. Die ältesten Ausstellungsstücke sind laut Ahlers der Webstuhl sowie der Schrank, der einst Pastor Kunstreich gehört hatte. Beide müssten mehr als 300 Jahre alt sein, sagte er.

Im Hof der Heimatstube lud der Orts- und Heimatverein Ganderkesee noch zu Kaffee und Kuchen. Holger Schobert begleitete den Nachmittag mit seiner Drehorgel musikalisch. Auch wenn die schon seit fast 26 Jahren im Einsatz sei, sei das noch lange kein Museumsstück, betonte der Musiker. „Es gibt auch circa 10 Orgelbauer in Deutschland“, betonte er. So habe auch er selbst sein Instrument kürzlich aufwendig restaurieren lassen können.