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Ortsverband feiert 100 Jahre SoVD Ganderkesee wünscht sich mehr junge Mitglieder

Von Kristina Müller | 21.07.2017, 19:14 Uhr

Vom Reichsbund zum Sozialverband – Der Ortsverband Ganderkesee des SoVD feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.

„Von früher ist uns sehr wenig bekannt“, bedauert Gerold Porth, Vorsitzender der Ortsgruppe Ganderkesee des Sozialverbandes Deutschland (SoVD). Das bestätigte auch bereits 1992 der ehemalige Vorsitzende Heinrich Sanders bei einer Mitgliederversammlung, wie ein Blick in das dk-Archiv zeigt: „Aus der Zeit von 1917 bis 1933 sind durch die Wirren der Hitler- und auch Kriegs- und Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs alle Unterlagen verloren gegangen, das heißt die letzten durch einen Zimmerbrand bei Heinz Oltmanns in Falkenburg – laut einem Protokoll aus 1957“, heißt es da.

1933 habe es in der Ortsgruppe des Reichbundes über 200 Mitglieder gegeben, bevor sie zwecks einer „Abwendung der Unterwerfung in nationalsozialistische Organisationen“ aufgelöst wurde. 1947 wurde die Reichsbundarbeit als Selbsthilfeunternehmen wieder aufgenommen, damals mit 27 Mitgliedern. Zum 75. Geburtstag hatte der Verein dann fast 600 Mitglieder in der Gemeinde, verteilt auf drei selbstständigen Ortsgruppen.

„Gesellschaft ist sehr egoistisch“

Inzwischen schwanke die Zahl so um die 300, weiß Porth. Den Grund für die Schwankungen sieht er in der Altersstruktur: „Die meisten sind zwischen 50 und 60 Jahre alt und über 50 Mitglieder sind schon über 80. Sogar eine 100-Jährige ist darunter.“ Die Jüngsten im Bunde seien in den 30ern. „Junge Leute bekommt man sehr wenig. Die merken das immer sehr spät, wie wichtig unsere Arbeit ist“, fällt Porth auf.

Besonders diesen sozialen Gedanken, dem Verband beizutreten, auch wenn man keine Leistungen in Anspruch nehmen muss, vermisst er. „Die Gesellschaft ist inzwischen sehr egoistisch“, findet er. Viele würden nämlich nach der Hilfe wieder austreten. Denn der SoVD unterstützt die Menschen vom Antrags- über das Widerspruchs- bis hin zum Klageverfahren. „Es wäre schön, wenn die Mitglieder aus Solidarität bestehen bleiben, um auch anderen beistehen zu können“, sagt Porth. Umso mehr freut er sich deshalb über die 20 Neuaufnahmen in der ersten Jahreshälfte.

Barrierefreiheit ein zentrales Thema

Wie er kümmern sich auch andere Ehrenamtliche um die Mitglieder vor Ort. So werden dann regelmäßig Informations-, Spiel- und Klönnachmittage angeboten, ebenso wie verschiedene Ausflugsfahrten, Kohl- und Fischessen sowie eine Weihnachtsfeier. Die Sozialberatung werde von Hauptamtlichen durchgeführt.

Nach wie vor ein zentrales Thema im Verband sei die Barrierefreiheit in der Gemeinde, „um den Menschen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen“, berichtet der Vorsitzende. Dazu arbeite der SoVD sehr gut mit der Gemeinde und dem Landkreis zusammen, so Porth. „Wenn es etwas Aktuelles gibt, dann können wir alles regeln und finden eine Lösung, wie beispielsweise bei der Gehwegabsenkung.“