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„Personalkosten explodieren“ Kita-Gebühren in Ganderkesee bleiben vorerst unverändert

Von Dirk Hamm | 07.09.2017, 21:34 Uhr

In der Finanzierung der Kinderbetreuung liegt eine Zeitbombe versteckt: „Die Personalkosten im Bereich der Kindertagesstätten explodieren“, sagte Erster Gemeinderat Rainer Lange am Donnerstagabend im Ausschuss für Soziales und Gesellschaft.

Beinahe 100 Bedienstete beschäftige die Gemeinde Ganderkesee inzwischen in Krippen, Kindergärten und Horten. „Im Moment fangen wir die Kostensteigerungen auf. Aber wenn die nächste Konjunkturdelle kommt, dann werden wir die Belastung spüren“, prognostizierte Lange.

Viele junge Mitarbeiter eingestellt

Kostentreibend wirkten sich dabei weniger die Tarifsteigerungen für pädagogische Kräfte aus, so der Erste Gemeinderat. Die rasante Kostensteigerung liege vielmehr in der Altersstruktur des Personals begründet: „Wir haben viele junge Leute frisch von der Schule eingestellt, die sehr schnell die jeweils nächste Dienstaltersstufe erreichen.“

Politische Entwicklung soll abgewartet werden

Was bedeutet das für die Gebühren, die Eltern für die Kinderbetreuung zahlen müssen? „Von einer Änderung der Gebührenstruktur für den Kindertagesstättenbereich wird vorerst abgesehen“, hieß es kurz und knapp in der Mitteilungsvorlage der Verwaltung für die Ausschussmitglieder. Die Begründung: Erst einmal solle die politische Entwicklung auf Landesebene abgewartet werden, denn bei einigen Parteien stehe im Hinblick auf die Landtagswahl eine Ausweitung der Beitragsfreiheit des Kita-Besuchs auf der Agenda.

Landeszuschuss nicht kostendeckend

Schon jetzt aber sind die den Kommunen vom Land für das dritte, beitragsfreie Jahr erstatteten Pauschalen zumindest bei den Halbtagsplätzen nicht kostendeckend, wie die zuständige Fachdienstleiterin Karen Becker in einer Kosten-Einnahmen-Rechnung aufzeigte. Die Beispielrechnung anhand einer Schierbroker Einrichtung machte auch deutlich, dass die Gemeinde den gegenüber Elternbeiträgen und Landeszuschüssen weit überwiegenden Teil der Finanzierung der Kindertagesstätten stemmt.

Skepsis gegenüber Beitragsfreiheit

Vor diesem Hintergrund werde ihm „angst und bange“, wenn er die Forderung mancher Parteien nach vollständig kostenlosen Kita-Plätzen höre, sagte UWG-Ratsherr Carsten Jesußek. Timo Spille (CDU) pochte darauf, dass die vollständige Beitragsfreiheit höchstens im dritten Schritt erfolgen könne, zuvor sei die Schaffung neuer Plätze und die Verbesserung des Betreuungsschlüssels anzugehen.