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„Pfeffersäcke“ und heilende Bohnen Lehrstunde über Gewürze für Ganderkeseer Landfrauen

Von Alexander Schnackenburg | 10.11.2015, 17:21 Uhr

Über den Ursprung der Gewürze als Medizin hat Viola Vierk vom Hamburger Gewürzmuseum Spicy´s bei Backenköhler über 200 Ganderkeseer Landfrauen informiert.

Gegen jedes Leid sei ein Kraut gewachsen, glaubt Viola Vierk. Und doch wüssten selbst jene über die Heilkräfte von Kräutern meist wenig, die viel mit Kräutern zu tun hätten – etwa in der Küche. Gestern hat die Mitarbeiterin des Hamburger Gewürzmuseum Spicy´s über 200 Landfrauen im Hotel Backenköhler ein wenig über den Ursprung der Gewürze als Medizin erzählt und darüber hinaus von neuen Trends in der Küche berichtet.

Medizin entdeckt Gewürze neu

Im Zuge dessen verlieh Vierk ihrer Hoffnung Ausdruck, dass Gewürze, sei es zur Schmerzlinderung oder gar zur Heilung von Krankheiten, auch wieder verstärkt in die Medizin einflössen. Denn in Hamburg hielten ihre Mitarbeiterinnen und sie zwei bis drei Vorträge täglich über Gewürze, auch vor Schulklassen. Das Interesse an den Naturprodukten aus Übersee steige offenbar.

„Hexenladen“ in Hamburg

In Hamburg gebe es sogar einen modernen „Hexenladen“, in welchem die Kunden etwa traditionelle Glücksbringer aus Gewürzen bekämen – zum Beispiel solche mit Tonkabohnen. Bereits im Mittelalter hätten die Leute hieraus Amulette gefertigt.

Ihrerseits trug Vierk eine Kette aus diesen ursprünglich mexikanischen Bohnen um den Hals, wie es in Südamerika Gang und Gäbe sei, erläuterte sie. Dort sage man der Tonkabohne heilende Kräfte nach. Vierk schätzt an den Bohnen vor allem den süßlichen Duft, der ein wenig an Marzipan erinnert. Tatsächlich spielten Tonkabohnen bei der Erzeugung von Parfum eine wachsende Rolle, so Vierk.

Gewürze waren Zeichen für Reichtum

In gewisser Weise schließe sich hierbei der Kreis, erläuterte die Referentin am Rande. Denn bereits im Mittelalter, als Gewürze aufkamen, hätten sie ihren stolzen Besitzern nicht nur zum Heilen und zum Kochen, sondern auch dazu gedient, sich von anderen Menschen zu unterscheiden oder gar abzugrenzen. So habe in den Haushalten betuchter Menschen oft eine Schale mit Pfefferkörnern auf dem Tisch gestanden: Zum einen, um den Pfeffer als Nachtisch verspeisen zu können, zum anderen aber auch, um Gästen unmissverständlich klar zu machen: „Wir haben Geld.“

Symbolträchtig fand sich auf dem Ausstellungstisch der Referentin denn auch ein „Hamburger Pfeffersack“. Hanseatische Kaufleute, die mit dem Gewürzhandel zu Geld gekommen waren, bezeichnet der Volksmund in Hamburg, doch auch in Bremen, zum Teil heute noch als „Pfeffersäcke“.