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Plattdeutschbeauftragter in Ganderkesee Dirk Wieting zieht es nur noch zur Theaterbühne

Von Thomas Deeken | 26.11.2018, 08:33 Uhr

Dirk Wieting nimmt Abschied. Zum Jahresende hört er als Plattdeutschbeauftragter der Gemeinde Ganderkesee auf. In unserem Interview blickt er zurück und nach vorn.

 Frage: Herr Wieting, die „Plattdüütsche Week“ ist vorbei. Und in wenigen Wochen endet auch Ihre Zeit als Plattdeutschbeauftragter in der Gemeinde Ganderkesee. Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Dirk Wieting: Wie heißt es so schön: Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist. Und es ist besser, wenn die Leute sagen: „Schade, dass er geht“, statt „Jetzt wird’s aber Zeit, dass er die Biege macht“.

 Wie war es insgesamt für Sie?

Ich habe das alles mit viel Herzblut und viel Leidenschaft gemacht – und in dieser Zeit bei den verschiedenen Aktionen sehr viel Spaß mit den Mitorganisatorinnen Angela Hillen und Meike Saalfeld gehabt. Wir erwischen uns jetzt noch in Gesprächen dabei, was wir beim nächsten Mal anders machen. Aber es gibt ja kein nächstes Mal mehr für uns.

 Was bleibt von der „Plattdüütschen Week“ in Erinnerung?

Highlights waren sicherlich die Auftritte von Ursula Hinrichs und Sandra Keck vom Hamburger Ohnsorg-Theater. Natürlich muss ich Yared Dibaba nennen, der uns gerade in der Anfangszeit sehr geholfen hat und immer wieder betont, dass er in Falkenburg aufgewachsen ist. Genial war unser Filmprojekt „Platt rettet die Welt“ mit Schülern der Förderschule, der Oberschule und des Gymnasiums, für das es den ersten Preis der „Niedersächsischen Filmklappe“ gab. Und es waren viele tolle junge Leser bei den Vorlesewettbewerben mit dabei.

 Und wie war’s mit dem Publikum?

Wir haben von Anfang an alle mit einbezogen – von den Kindergartenkindern bis zu den Senioren. Es gab jedes Mal ein großes Echo auf unsere Veranstaltungen und immer mehr Zuschauer. Besonders gefreut habe ich mich über die Begeisterung in den Schulen, bei den plattdeutschen Lesewettbewerben mitzumachen.

 Haben Sie selbst eigentlich schon immer Platt gesprochen?

Ich bin ja auf dem Dorf in Habbrügge aufgewachsen. Ich hab’s dann als Kind auch versucht, wurde aber bei Fehlern belächelt und hab dann aufgehört. Mit 16 bin ich aber dann bei der Landjugend auf die Bühne gegangen – als 80-Jähriger in „Dat Hörrohr“. Danach ging es mit der Sprache immer weiter.

 Was ist das Tolle an der plattdeutschen Sprache?

Sie klingt weicher, ist gefühlvoller. Da kann man dann auch mal was Deftigeres sagen. „Klei mi am Mors“ klingt eher niedlich, „Leck mich ...“ auf Hochdeutsch ist dagegen schon beleidigend.

 Wie kam es zum Posten des Plattdeutschbeauftragten?

Ich hatte 2007 den Faschingsauftakt bei Witte in Immer moderiert und angeboten: Wenn ich überziehe, werde ich einen Tag Chauffeur von Alice Gerken. Natürlich habe ich überzogen. Ich sollte die Bürgermeisterin aber nicht chauffieren. Sie hatte vielmehr die Idee von der „Plattdeutschen Woche“. Und die sollte ich organisieren. Da war ich natürlich in der Schuld. Die erste „Week“ ist dann 2008 so toll angekommen, dass Landrat Eger damals mehr vom Plattdeutschen im Kreis wollte. Später gab es dann die Plattdeutschbeauftragten in den Kommunen – mit mir in Ganderkesee.

 Am Ende des Jahres ist aber Schluss. Und dann?

Dann geht es nur noch um die Bühne. Ich bin Vorsitzender des Niederdeutschen Theaters in Delmenhorst, führe Regie und spiele. Eine Aufgabe, die mich fordert und super viel Spaß macht. Und auch beim Fasching ist übrigens Schluss: Die vergangenen zehn Jahre war ich Chef der Jury für die Prämierung nach dem Festumzug. Das mache ich 2019 auch zum letzten Mal.

 Steht denn für den Posten des Plattdeutschbeauftragten ein Nachfolger vor der Tür?

Das muss die Bürgermeisterin sagen. Das ist Chefsache.