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Prämie für Weidehaltung Ganderkeseer Bauern sehen Anreiz skeptisch

Von Mareike Bader | 09.09.2017, 15:37 Uhr

Mit Prämien soll Weidehaltung stärker gefördert werden. Für die Landwirte hier in der Region geht die Idee an der Realität der Nutztierhaltung vorbei.

Dass Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) die Prämien für den Tierschutzplan umstellen will, stößt bei den heimischen Landwirten auf Kritik.

Für Cord Schütte klingt die Ankündigung stark nach Wahlkampf. Für die Landwirte in Ganderkesee sei die Umsetzung zu mehr Weidelandhaltung nicht umsetzbar, schätzt er die Lage ein. „Viele Betriebe schaffen es gar nicht, weil es die Flächen nicht hergeben“, sagt der Landwirt. Dass es im Zuge des Weidemilchprogramms fünf Cent mehr pro Liter Milch geben soll, empfindet er als unfair. „Die Milch, die aus dem Stall gemolken wird, ist ja nicht schlechter als die von der Weide.“

Flächen oft nicht direkt am Hof

Um seinen Hof in Bergedorf sind etwa nur drei bis vier Hektar Land. Für seine 700 Kühe bräuchte er allerdings 14 Hektar Land. Der Großteil der Fläche, die er bewirtschaftet, liege etwa acht Kilometer vom Hof entfernt. Die anderen Landwirte beschreiben eine ähnliche Situation.

„Drinnen im Stall ist es ideal“, sagt Cord Wübbenhorst, der zum geschäftsführenden Vorstand des Kreislandvolks gehört. Durch Bilder in den Medien würden die Verbraucher verrückt gemacht. „Man kann es keinem verdenken“, sagt er zum Bild der Verbraucher, die von Berichten über zu enge Ställen in Massentierhaltungen geprägt sei. „Bei schönem Wetter sieht es für die Verbraucher gut aus“, sagt der Landwirt über die Pläne des Landwirtschaftministers.

Ob Kühe auf der Weide glücklicher sind, ist fraglich

Natürlich sei es toll, wenn die Kühe draußen sein können. Ob sie dadurch glücklicher sind, könne man nicht sagen. Moderne Ställe seien auf die Bedürfnisse der Tiere angepasst, berichtet er aus der Erfahrung seines Rindermastbetriebes – etwa mit breiten Laufgänge in licht- und luftdurchfluteten Ställen.

Rainer Bücking, wie Wübbenhorst im Vorstand des Ortslandvolkes tätig, bestätigt diese Meinung. „Wenn die Schweine entsprechend viel Platz haben, können sie sich sehr wohl fühlen“, sagt er. Schweine hätten andere Bedürfnisse als Menschen, bekräftigt er. „Da dürfen sie auch anders gehalten werden.“ Dazu sieht er auch die Ringelschwanzprämie kritisch.

Das Kürzen bei den Ferkeln hält er für sinnvoll. „Das macht für sie keine Probleme“, sagt er. „Wenn das Knabbern losgeht, tut das ihnen viel mehr weh.“ Das Knabbern sei ein Teil des Spieltriebes der Schweine. Doch da sie im unteren Drittel des Schwanzes nur wenig Nerven haben, spüren das dann viele anfangs nicht.

Prämie bedeutet Erhöhung von Subventionen und Bürokratie

„Wir sind eigentlich Tierprofis“, betont Cord Wübbenhorst. Für ihn bedeuten die Pläne einen zusätzlichen bürokratischen Aufwand und die Verstärkung von Subventionen – dabei sollten diese eigentlich ja abgebaut werden. Auch Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolkes sieht in der Unterstützung der Weidenhaltung ausschließlich ein politisches Instrument.

„Die technische Ausstattung der Betriebe setzt sich gleichwohl weiter fort“, schreibt Wolff in seiner Stellungnahme. Das zeigt sich etwa bei Jürgen Struthoff, der seine Kühe mit einem automatischen Melksystem melkt. „Das muss nonstop laufen“, sagt er.

Wie die anderen Landwirte geht für ihn das veränderte Prämiensystem an der Realität der Bauern vorbei. Die Wirtschaftlichkeit stehe auch in der Landwirtschaft im Vordergrund, sagt Wübbenhorst. Die Bauern kämpfen nach wie vor mit den niedrigen Preisen für ihre Produkte: „Das geht nur durch extreme Effizienzsteigerung.“