Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Projekt für schnelle Erfolge Flüchtlinge lernen in Ganderkesee beim Kochen Deutsch

Von Thomas Deeken, Thomas Deeken | 03.10.2017, 08:10 Uhr

In Ganderkesee hat sich die Flüchtlingssituation inzwischen weitgehend entspannt. Es gibt verschiedene Projekte wie Kochkurse, Nähstübchen und Frauenfrühstück, in denen die Menschen die deutsche Sprache lernen. Schwierig ist es allerdings nach wie vor, Arbeit zu finden.

„Die Aufgeregtheit ist nicht mehr da. Es hat sich entspannt. Aber die Integration ist zum Teil sehr mühsam.“ Das hat Erich Kurzawski vom Arbeitskreis Flüchtlinge hinsichtlich der Situation der Flüchtlinge in Ganderkesee gegenüber dem dk betont. Wenn er die Lage mit anderen Kommunen vergleiche, sei er in Ganderkesee aber zufrieden, sagt der Diakon, der nicht nur die Zusammenarbeit mit Flüchtlingsberaterin Sandra Baba lobt, sondern auch die guten Absprachen mit der Kommune, die beispielsweise bei der Wohnungsvermittlung helfe. „Da wird dann auch aufgepasst, dass es nicht zur Gettoisierung kommt“, so Kurzawski.

Rund 70 Ehrenamtliche in Ganderkesee

Der Arbeitskreis kümmert sich seit 2015, als die große Flüchtlingswelle auch Ganderkesee erreichte, mit großem ehrenamtlichen Einsatz um die Flüchtlinge, die in der Gemeinde ein neues Zuhause gesucht haben. Derzeit gibt es nach Angaben von Kurzawski immer noch einen Stamm von rund 70 Frauen und Männern, die den Kontakt zu den rund 700 Menschen pflegen, die vorwiegend aus Syrien und dem Irak kommen und inzwischen mit unterschiedlichem Status in Ganderkesee leben. „Das wird von den Ehrenamtlichen auch gar nicht so sehr an die große Glocke gehängt. Sie tun es einfach“, weiß der Diakon, der sich darüber freut, dass mittlerweile eine Reihe von Projekten entstanden ist, in denen die Flüchtlinge beschäftigt sind und gleichzeitig Deutsch lernen.

Nähstübchen und Kochkurse

Nach wie vor gibt es das Nähstübchen im Gemeindehaus, in denen die Frauen für die inzwischen hier geborenen Mädchen und Jungen Kinderdecken anfertigen. Es werden einmal im Monat in der Küche der Oberschule Kochkurse angeboten – mal deutsch, mal arabisch, mal für Männer, mal für Frauen. Aber immer mit Ganderkeseern und Flüchtlingen zusammen. „Da passt der Begriff Integration am ehesten“, sagt Kurzawski.

Infocafé hat sich etabliert

Darüber hinaus hat sich das Infocafé etabliert. Dort kommen im Schnitt rund 40 Flüchtlinge zusammen, um beispielsweise Näheres über Schule, Kindergärten und Arbeit zu erfahren. Außerdem ist inzwischen eine Frauenfrühstücksrunde entstanden, mal bei einer deutschen Familie, mal bei einer Flüchtlingsfamilie. Dort tauschen sich die Frauen vor allem über Sitten und Gebräuche in Deutschland aus. Und es gibt nach wie vor die „Begleitung in Familien“, wie Kurzawski erläutert. Dabei unterstützen Ganderkeseer die neuen Mitbürger, wenn sie zum Beispiel zum Arzt oder zur Behörde müssen. Oder sie gehen auch mit, wenn neue Möbel angeschafft werden sollen. „So sind mittlerweile auch Freundschaften entstanden.“

Exkursionen gut angenommen

Gut sind nach Angaben Kurzawskis auch die Exkursionen mit Gerold Sprung angenommen worden. Da geht es mal zum Bauernhof Osterloh, mal zum Regionalen Umweltzentrum in Hollen – und dann wieder in einzelne Betriebe wie Starofit und Tönjes, „um zu zeigen, dass es nicht nur in der Stadt, sondern auch bei uns auf dem Land Arbeit gibt“.

Kinderchor als neues Projekt

Neu ist das Projekt Kinderchor. Seit etwa zwei Monaten kommen Flüchtlingskinder im Alter von etwa sechs bis zehn Jahren dienstags im Jugendzentrum Trend zusammen, um gemeinsam zu singen.

Förderunterricht im Bereich Sprache

Auch im Bereich Sprache hat sich etwas getan: Es gibt enge Abstimmungen mit der regioVHS, die den Löwenanteil des Unterrichts übernimmt. Darüber hinaus werden schon jetzt junge Leute, die in den Beruf gehen wollen, von Kurzawski und Michael Müller zusätzlich gefördert. Außerdem soll nach den Herbstferien ein Förderunterricht mit Renate Dauss und Klaus Schramm für diejenigen starten, die in den normalen Volkshochschulkursen Probleme haben, mitzukommen.

Arbeitssituation schwierig

Das Thema Arbeit gestaltet sich nach Angaben des Diakons immer noch sehr schwierig: „Eine Barriere ist nach wie vor die Sprache. Und es ist mühsam, herauszufinden, wer wohin passt.“ Aber es gebe Lichtblicke. „Wir haben schon einige Leute in Praktika gebracht – mit guten Hoffnungen, dass daraus feste Arbeitsverhältnisse entstehen können“, so Kurzawski. So seien beispielsweise einige im Bereich Pflege, an einer Grundschule, in einem Kindergarten und auch bei Starofit untergebracht. „Mal sehen, wie sich das entwickelt.“

 Mehr zum Thema Flüchtlinge in Ganderkesee lesen Sie auch hier.