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Projekt „Stromspar-Check“ 245 Stromsparer gefördert

Von Reiner Haase | 09.03.2015, 16:37 Uhr

Seit einem Jahr sind im Landkreis Oldenburg und in Delmenhorst Stromsparchecker unterwegs. Sie haben bisher 245 einkommensschwachen Familien geholfen.

Wenn Andre Kolodzieyzcyk und Ann Christin Wolowski sich im Haushalt mit ihrer vier Monate alten Lucy Leia an die Tipps der Stromsparchecker halten, können sie ihre Strom- und Wasserrechnung um 190 Euro jährlich verringern. Starthilfe dafür gab es gestern in ihrer Wohnung in Neerstedt: Stromfressende Glühlampen und Halogenstrahler wurden gegen Energiesparlampen und LED-Leuchtmittel ausgetauscht. In Wasserhähne wurden den Durchlauf begrenzende Perlatoren geschraubt. Die Brause in der Dusche wurde gegen ein wassersparendes Modell ausgewechselt . Außerdem setzen jetzt abschaltbare Zwischenstecker und Steckdosenleisten unnötigem Stromverbrauch von Standby-Geräten wie Fernseher und Kapselkaffeemaschine ein Ende.

Handfeste Hilfe für

einkommensschwache Haushalte

Die junge Neerstedter Familie ist eine von 245 einkommensschwachen Familien im Landkreis Oldenburg und in der Stadt Delmenhorst, die im ersten Jahr des Bundes-Projekts „Stromspar-Check“ beraten und mit einem Startpaket voller Energiesparstückchen ausgestattet worden sind. Susanne Mittag, SPD-Bundestagsabgeordnete und in Berlin Mitglied des Umweltausschusses, hat die Projektarbeit gestern in Neerstadt hautnah miterlebt. Sie ist in der Überzeugung gestärkt, dass auf staatliche Transferleistungen angewiesenen Haushalten wirkungsvoll geholfen wird, an der Energiewende mitzuwirken und gleichzeitig das knapp bestückte Haushaltskonto zu entlasten. Sie will sich dafür einsetzen, dass das zunächst auf zwei Jahre begrenzte Projekt über das bisher festgesetzte Schlussdatum 31. Dezember 2015 hinaus fortgesetzt wird, vielleicht in leicht abgewandelter Form: „Das ist noch viel Potenzial drin“, sagt die Politikerin.

BUND wirkt als

neutrale Instanz mit

Stromsparchecker können von jedem auf staatliche Transferleistungen angewiesenen Haushalt eingeschaltet werden. Regionaler Träger des Projekts ist die Caritas Delmenhorst. Die Stromsparchecker werden im Regionalen Umweltzentrum (RUZ) Hollen auf ihre Einsätze vorbereitet. „Das sind Leute wie du und ich, keine Ingenieure, die Fachchinesisch sprechen“, betont RUZ-Leiterin Marina Becker-Kückens. Der Ablauf ist simpel: Ein Termin wird ausgemacht, die Checker kommen in die Wohnung, schauen sich die Gegebenheiten an und reden mit den Bewohnern über Gewohnheiten. Die Daten werden an den BUND Bremen als neutraler Instanz geschickt. Auf BUND-Empfehlung wird das kostenlose Erste-Hilfe-Paket im Wert von bis zu 70 Euro zusammengestellt, dessen Inhalt beim zweiten Besuch eingebaut wird. „Der Stromsparcheck ist kostenlos. Die Sorge, dass noch irgendwas hinterherkommt, ist unbegründet“, betont Projektleiter Uwe Kriens.

150 Euro für

neuen Kühlschrank

Wenn im besuchten Haushalt ein besonders stromfressender Kühlschrank vorgefunden wird, kann es auch noch einen 150-Euro-Scheck für ein neues Gerät der Klasse A+++ geben. „Als Sponsor, der das alte Gerät kostenlos mitnimmt und das neue kostenlos aufstellt, haben wir den Media-Markt Stuhr gefunden. Aber es kann auch jedes andere Geschäft genommen werden“, berichtet Becker-Kückens.