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Rache durch Ex-Mann befürchtet Ganderkesee: Albanische Familie hat Angst vor Abschiebung

Von Katja Butschbach | 28.04.2015, 22:35 Uhr

Der Familie R. aus Albanien droht die Abschiebung: Das Ehepaar mit zwei Kindern möchte in Deutschland bleiben. Die Familie erklärt, in Albanien einen Racheakt zu fürchten.

Die vierköpfige Familie R. fürchtet ihre Abschiebung nach Albanien: Wie das Ordnungsamt des Landkreises Oldenburg am Dienstag auf Nachfrage erklärte, ist die Familie ausreisepflichtig. Einen Termin gebe es noch nicht. Die Familie lebt in Ganderkesee, reiste Ende 2013 nach Deutschland ein.

Antrag an die Härtefallkommission geplant

Die Familie hatte versucht, sich gegen den negativen Asylbescheid zu wehren, war damit aber vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg gescheitert. Eine Option, die noch offensteht, ist ein Antrag an die Härtefallkommission: Darum will sich Sandra Baba, Flüchtlingsberaterin der Diakonie in Ganderkesee, nun kümmern. Was der Antrag bewirkt, ist offen.

Angst vor Rache

Als Grund, weshalb die Familie nicht zurück nach Albanien will, führt das Ehepaar Angst vor Rache an. In Griechenland und in Albanien hatte die Familie ihre Wurzeln. Lulzime heiratete nach einer unglücklichen ersten Ehe ihren jetzigen Ehemann Fation R. In Griechenland wurde Fation R. angeschossen, ist dadurch heute schwerbehindert und trägt eine Unterschenkelprothese: Er vermutet, dass er im Auftrag des Ex-Mannes angeschossen wurde. Sandra Baba erklärt, dass es in Albanien solche Geschichten gebe. So sei nun die gesamte Familie in Gefahr. Neben Baba unterstützt auch der Huder Afrim Zugoli die Familie: Er arbeitet im Kulturhof Hude mit Flüchtlingen. Das Ehepaar, berichtet Zugoli, habe Angst um das Leben ihrer Kinder Valentina (5 Jahre) und Elvijon (1) – und um ihr eigenes. Ihm gehe das Schicksal der Familie selbst nahe.

Verschärfte Bedingungen für Kirchenasyl

Er führte Familie R. unter anderem zu Pastorin Susanne Bruns: Sie verbrachte dann den Montagnachmittag am Telefon, erkundigte sich nach Hilfsmöglichkeiten. Für das Kirchenasyl, erklärt sie, gebe es heute verschärfte Bedingungen. Für die Familie kommt es hier nicht infrage. „Jedes einzelne Schicksal ist für sich eine Katastrophe“, so Bruns.

Die Entscheidung über Asylanträge liegt beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Sonhild Lindemann, Leiterin des Kreis-Ordnungsamtes, erklärt: „Wir sind diejenigen, die die Entscheidung ausführen müssen.“ Auch Gemeindesprecher Hauke Gruhn betont: „An ausländerrechtlichen Entscheidungen ist die Gemeinde Ganderkesee in keiner Weise beteiligt.“ Sie kümmere sich um die Unterbringung, Versorgung und Betreuung von Flüchtlingen.

Dankbar für Unterstützung in Deutschland

Fation R. bedankt sich vielmals für die Unterstützung, die er in Deutschland erfahren hat – etwa bei der Versorgung seines Beins. „Ich will nur Sicherheit für meine Kinder“, sagt er.

Schon einmal hatte das Schicksal einer albanischen Familie die Gemeinde stark beschäftigt: In Heide wurde eine Familie, die 13 Jahre hier gelebt hatte, im Jahr 2005 nach einer langen Debatte und vielen Versuchen der Hilfe doch abgeschoben.