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Rascher differenzieren Ganderkesee: Strukturelle Veränderungen für Oberschulen

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 04.05.2017, 17:35 Uhr

Sechs Jahre nach Einführung der Oberschulen in der Gemeinde stehen strukturelle Veränderungen an. Es soll früher in Haupt- und Realschulklassen unterschieden werden.

2003 hatte Niedersachsen die Orientierungsstufe (OS) abgeschafft – jetzt könnte eine „Leichtversion“ der OS an den Oberschulen in Ganderkesee und Bookholzberg diesen Gedanken der frühen Differenzierung wieder aufnehmen, um so die Stärken der Schüler eher herauszuarbeiten.

Oberschulen bestehen seit sechs Jahren

Die nach oben und unten durchlässigeren Oberschulen gibt es in der Gemeinde seit sechs Jahren. Sie lösten die strikten Haupt- und Realschulzweige ab. Die beiden Schulleiter Manfred Gliese (Ganderkesee) und Jan-Michael Braun (Schule an der Ellerbäke, Bookholzberg) wollen die Planungen unterschiedlich umsetzen.

Reform in Ganderkesee nach dem Schuljahr 2017/18

Künftig soll die Differenzierung an der Oberschule Ganderkesee schon nach Klasse 6 und in Bookholzberg erst nach Klasse 7 einsetzen. An der Oberschule Ganderkesee sieht die im Schulvorstand abgestimmte Planung vor, dass die jetzigen 5. Klassen nach dem Schuljahr 2017/18 zeitgleich mit den jetzigen 6. Klassen in die Schulzweige aufgeteilt werden. Die Übergangsphase für die jetzigen Oberschüler in Bookholzberg will Schulleiter Braun erst noch mit der Elternschaft abstimmen.

Stärkere praxisorientierung für Hauptschüler

„Während für die Hauptschulzweige eine stärkere Praxisorientierung und eine engere Vernetzung mit ausbildenden Unternehmen erforderlich sind, müssen künftige Realschüler bessere Bedingungen für ihre weitere Bildungslaufbahn erhalten“, fassten Gliese und Braun die Gemeinsamkeit zusammen. Laut den Schulleitern habe die späte Differenzierung erst nach Klasse 8 letztlich zur Schwächung sowohl der Haupt- als auch der Realschulzweige geführt.

Immer weniger Anmeldungen

Zuletzt, das räumte Sieglinde Jahn, Leiterin des Fachdienstes Schulen, Sport und Jugend, ein, hätte sich die fehlende Akzeptanz der Eltern für die Oberschule deutlich in sinkenden Anmeldezahlen niedergeschlagen. Rund 60 Prozent der jeweiligen Kinder seien gleich am Gymnasium angemeldet worden.

Reform soll auch Lernstarke an Oberschule ziehen

„Ich hoffe, dass Eltern von lernstarken Realschülern die Oberschule künftig wieder häufiger als geeignete Schulform für ihr Kind ansehen“, erklärte Braun. Es gebe nicht nur den klassischen Weg zum Studium, sondern auch die Alternative über die Oberschule. Mit dem erweiterten Realschulabschluss könne dank der erhöhten Durchlässigkeit, die innerhalb der Oberschulen weiter gewährleistet bleibe, ein späterer Wechsel aufs Gymnasium erfolgen. Hauptschülern böte das Modell eine bessere Praxisanbindung.

Gute Berufsfähigkeit entscheidend

Gliese: „Gerade für sie ist eine gute Berufsfähigkeit am Ende von Klasse 9 wichtig.“

Bisher wird an beiden Oberschulen ab Klasse 5 überwiegend gemeinsam unterrichtet, eine Differenzierung in Haupt- und Realschulklassen gibt es erst nach Klasse 8. Gliese und Braun betonten, dass die einschneidenden Änderungen jeweils im Schulvorstand, dem auch Elternvertreter angehören, beschlossen wurden.

Kinder sollen sich wieder einfinden

„Wir wollen den Kindern genügend Zeit geben, sich in den einzelnen Schulformen zurechtzufinden“, benennt Gliese Argumente für eine Differenzierung schon nach Klasse 6. Auch solle wieder die Ruhe des Unterrichts im Klassenverband einkehren.

Ziel: negative Auswirkungen korrigieren

Die Erkenntnis: Zu ausufernder Unterricht in Kursform habe sich negativ auf die Klassengemeinschaft ausgewirkt.