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Rebecca Harms in Ganderkesee Windkraft am Sannauer Helmer stockt

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 01.09.2016, 10:17 Uhr

Am Sannauer Helmer sind vier Windkraftanlagen genehmigungsreif. Hinter dem Gesamtprojekt in Ganderkesee und Lemwerder stehen weiterhin dicke Fragezeichen.

Rebecca Harms, Spitzenpolitikerin der Grünen im Europaparlament, will ihr politisches Gewicht in die Waagschale werfen, um das offensichtliche Wirrwarr bei der Planung des Windparks Sannauer Helmer aufzudröseln. „Ich werde in Hannover, Bremen und in Berlin nachfragen, wo es hakt“, versprach sie am Mittwoch bei einem Termin vor Ort mit Ganderkeseer Grünen und Investoren aus der näheren Umgebung. Auch die Argumente von Gegnern der Windkraft hörte sie sich an, übermittelte ihnen aber ihre Grundüberzeugung: „Ohne Windenergie kriegen wir Schwierigkeiten mit unseren Klimazielen.“

Deutsche Flugsicherung bremst

„Merkwürdige Salamitaktik“ nannte Hartmut Fastenau das Verhalten der Deutschen Flugsicherung zum Windpark Sannauer Helmer. Erst sei das Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden Ganderkesee und Lemwerder positiv begleitet worden, berichtete der Hoykenkamper der Europa-Abgeordneten aus dem Blickwinkel der Kleininvestoren aus der Region. Dann, als die Planunterlagen genehmigungsreif schienen, die Kehrtwende: Die 33 Windräder sollten die Radarsignale am Bremer Flughafen durcheinanderbringen. Nach und nach seien Unbedenklichkeitsbescheinigungen für einzelne Anlagen eingetroffen: Drei Anlagen ganz am Westrand des geplanten Windparks auf dem Gebiet der Gemeinde Lemwerder und eine vierte, die ganz im Osten steht, in der Nähe der Schönemoorer Kirche, erzeugen schon Strom. Ganz neu ist Fastenaus Nachricht, dass vier weitere Anlagen das Plazet der Flugsicherung haben. Zwei könnten auf dem Gebiet der Gemeinde Lemwerder errichtet werden und zwei auf Ganderkeseer Areal.

Forschungsanlage reif für Genehmigung

Von dieser Nachricht ist Knud Rehfeldt, Geschäftsführer der Deutschen Windguard, direkt betroffen. Das Vareler Unternehmen will auf der Ganderkeseer Seite drei Windkraftanlagen zu Forschungszwecken errichten; überdies hat es die Koordination des Gesamtprojekts übernommen. Eine der Forschungsanlagen ist nun als unbedenklich eingestuft.

Öko-Ausgleich mit skurrilen Folgen

Eine Hürde vor dem Bau weiterer Anlagen ist laut Rehfeldt der Umstand, dass der Landkreis Oldenburg den Bebauungsplan für den Ganderkeseer Projektteil noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht hat. Für Lemwerder hat das der Landkreis Wesermarsch längst getan. Unklar ist auch, wie der ökologische Ausgleich für den Eingriff in Natur und Landschaft ausgeglichen werden soll. Ganderkesee hat einen Gesamtausgleich für seinen Windparkanteil festgeschrieben. Das könne bedeuten, dass einige Investoren die Gesamtkosten übernehmen müssten, ohne zu wissen, ob das Gesamtprojekt verwirklicht wird und ob die Lasten entsprechend auf mehr Schultern verteilt werden können. Im Rathaus Lemwerder ist bei der Plangenehmigung der Öko-Ausgleich für jede Windkraftanlage einzeln beschrieben worden. Auch das hat bei Stück-für-Stück-Genehmigungen mit offenem Ausgang für das Gesamtprojekt skurrile Auswirkungen, wie ein Landwirt aus Lemwerder berichtete: „Eine Parzelle richte ich für die Feldlerche her. Und gleich daneben stampfen Pferde und Kühe über die Weide.“

Klimaschutzkonzept droht zu scheitern

Nachbarinnen des geplanten Windparks beschrieben Harms Ängste über Gesundheitsgefährdungen, Wertverluste der Immobilien und negative Auswirkungen auf die Natur. Lothar Meyer, Windkraft-Skeptiker aus Stenum und einer der Sprecher des Verbands Vernunftkraft, warnte vor dem Weiteren Ausbau der Windkraft, solange die Infrastruktur, das Stromleitungsnetz und Speicherkapazitäten, nicht angemessen ausgebaut ist. Die Industrienation Deutschland komme ohne Kraftwerke, die die Grundlast absichern, nicht aus. „Es gibt Wochen ohne Wind, und wir brauchen trotzdem Energie“, so Meyer. „Grundlastkraftwerke sind die Dinosaurier der Energieerzeugung“, konterte Michael Sorg, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Ganderkeseer Rathaus. Ohne den kompletten Windpark Sannauer Helmer sei das Ganderkeseer Klimaschutzkonzept gescheitert. Auch Europa-Politikerin Harms sagte: „Angesichts des Klimawandels ist 100 Prozent weg von fossilen Brennstoffen das Ziel.“