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Regenmenge reicht nicht aus Ganderkesee kämpft gegen die Trockenheit

Von Birgit Stamerjohanns | 11.07.2018, 11:28 Uhr

Dass es seit Wochen so gut wie nicht geregnet hat, macht Pflanzen und Tieren zu schaffen. Auch die leichten Schauer am Dienstag haben die Situation kaum verbessert: Der Wind trocknet die Böden zusätzlich aus.

Für Klaus Panzram beginnt der Arbeitstag momentan eine halbe Stunde früher als gewöhnlich. Morgens um sechs legt er auf dem Weg zum Job einen Zwischenstopp beim VFL Stenum ein, um die Rasenplätze zu wässern – ehrenamtlich, versteht sich. Weil die vereinseigene Beregnungsanlage allein die sechs Fußballfelder nicht schafft, stellt Klaus Panzram zusätzlich Sprenger auf. „Sonst wären unsere Plätze mittlerweile braun,“ so der Fußball-Obmann des VFL Stenum.

Die Regenschauer am Dienstag haben die Situation kaum verbessert, es müsste schon mindestens einen Tag durchgängig regnen, damit das Wasser in tiefere Erdschichten gelangt.

Bewässerungsanlage läuft bei Baumschule

Auch dem Ehepaar Gillerke macht die anhaltende Trockenheit zu schaffen. Ohne die Bewässerungsanlage würde momentan wohl kaum eine Pflanze in der Bookholzberger Baumschule überleben. „Allerdings können wir die Anlage nur anschalten, wenn es windstill ist, sonst landet das Wasser nicht dort, wo es hin soll“, sagt Meike Gillerke. Sie hat zusammen mit ihrem Mann Bernd schon so manche Spätschicht eingelegt, weil der Wind oft erst nach 22 Uhr abflaut.

Für den heimischen Garten raten Gillerkes zum ausgiebigen Gießen, am besten mit dem Gartenschlauch: „Wer mit einer 10-Liter-Kanne 15 Pflanzen gießt, muss sich nicht wundern, wenn alles vertrocknet“, so Meike Gillerke. Vor allem Neuanpflanzungen benötigen täglich viel Wasser, denn bis Büsche und Bäume stabile Wurzeln gebildet haben, dauert es rund ein Jahr.

Mitarbeiter kämpfen gegen die Trockenheit

Auch in der Gärtnerei Melle kämpfen die Mitarbeiter gegen die Trockenheit. 17 Hektar Heidepflanzen müssen jeden Tag zweimal gegossen werden. „Normalerweise ist die Heide robust, aber der scharfe Ostwind trocknet die kleinen Ballen der Pflanzen zusätzlich aus“, erklärt Inhaberin Carolin Melle. Noch liefert der eigene Brunnen glücklicherweise genügend Wasser zum Gießen.

Der Wasserverbrauch beim Kommunalservice ist in diesem Jahr ebenfalls deutlich höher als sonst.

„Wir wässern mit Leitungswasser, schließlich können wir den Feuerwehren nicht die Löschteiche leer pumpen“, so Geschäftsführer Uwe Nordhausen. Mehr als 100.000 Bäume stehen in der Gemeinde, viele Straßenbäume wie Ahorn und Eberesche verfärben sich bereits bräunlich.

Täglich rücken Mitarbeiter mit Trecker und Wasserfass aus, um die rund 1000 Jungbäume in Ganderkesee und Hude zu gießen.

Auch den Tieren machen Wärme und Trockenheit zu schaffen. Der NABU Niedersachsen rät dazu, Vogeltränken im Garten oder auf dem Balkon aufzustellen, weil den Tieren frisches Trinkwasser fehlt. Und auch im Wasser macht sich die Hitzewelle bemerkbar: „Viele Fischzüchter haben zunehmend Probleme, weil das Grundwasser zu warm ist“, erklärt Peter Abel, Geschäftsführer von Forellen Abel in Ganderkesee.

Forellen fühlen sich bei einer Wassertemperatur von maximal 15 Grad wohl, auf wenig Sauerstoff im Wasser reagieren sie empfindlich. Bei Forellen Abel schwimmen die rund 50.000 Forellen in überdachten Betonbecken in 13 Grad kaltem Wasser.

Ganderkeseer Feuerwehr rät zur Vorsicht

Die sechs Ortsfeuerwehren der Gemeinde mussten bisher nur selten zu Einsätzen aufgrund der Trockenheit ausrücken. Dennoch rät Gemeindebrandmeister Bernd Lembke zur Vorsicht: „Nicht nur im Wald, auch im eigenen Garten sollte momentan kein offenes Feuer entzündet werden.“ Und wer grillt, so Lembke, sollte vorsichtshalber eine volle Gießkanne für den Notfall griffbereit haben.