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Regionales Umweltbildungszentrum Fast vergessene Maschine kommt in Hollen zum Einsatz

Von Vincent Buß | 22.10.2018, 15:56 Uhr

Eine fast vergessene Maschine steht seit Neuestem im Regionalen Umweltbildungszentrum (RUZ) Mit ihrer Hilfe können Schüler ihre selbst angebauten Kartoffeln stilecht sortieren.

Wer früher Kartoffeln sortieren wollte, brauchte Muskelkraft. Um die Kartoffelsortiermaschine in Schwung zu bringen, drehen die Drittklässler der Grundschule Bookholzberg, die im RUZ zu Besuch sind, eifrig an dem großen Rad des Geräts. Dadurch fangen die Gitter an hin- und herzuwackeln. Die kleinen Kartoffeln fallen durch und landen in einem Korb, die großen rutschen weiter und fallen in einen großen Sack.

Warum Kartoffeln sortiert werden

„So werden die Kartoffeln nach Größe sortiert“, erklärt Marina Becker-Kückens, Leiterin des RUZ. „Das ist wichtig, weil sie nach Größe verkauft werden.“ Für Pommes beispielsweise werden größere Exemplare gebraucht, für Ofenkartoffeln eher kleinere. Durch das Wackeln fällt außerdem der grobe Dreck von den frischen Knollen ab.

Früher wurden laut Becker-Kükens in allen kleineren landwirtschaftlichen Betrieben Kartoffelsortiermaschinen benutzt. „Irgendwann sind sie in Vergessenheit geraten.“ Heute übernimmt die Arbeit meist ein Kartoffelroder: Große Maschinen, die ein Motor betreibt. Die Funktionsweise ist laut Becker-Kückens jedoch die gleiche: „Man muss nur nicht mehr selbst drehen.“

Maschine stammt vom Bauernhof

Die Kartoffelsortiermaschine des RUZ stammt von einem Bauernhof aus Becker-Kückens Familie. Zumindest teilweise. Denn sie ist aus drei Maschinen zusammengesetzt. „Wir als RUZ waren erst einmal überfordert“, gibt die Leiterin zu. Glücklicherweise habe sie auf handwerklich begabte Mitglieder des NABU Ganderkesee setzen können.

„Die erste Maschine war sehr marode“, erklärt der Vorsitzende Hans Fingerhut. Sie stammt aus den 1950er-Jahren und wurde von der Landmaschinenfirma Amazone hergestellt. Damals wurde ihm zufolge alles noch mit Nägeln gebaut, weswegen das Holz teilweise gesplittert sei. Also suchte der NABU weitere alte Geräte – und wurde fündig. Nachdem alle Teile zu einer funktionierenden Maschine zusammengesetzt worden waren, wurde sie mit witterungsresistenter Farbe gestrichen. „Die alte Farbe gab es leider nicht mehr“, berichtet Fingerhut. Dafür konnte aber das alte Amazone-Logo erhalten bleiben. Rund 30 Stunden Arbeit steckte der NABU in die Maschine.

Ernte nun ganz traditionell

Beim RUZ kommt die Maschine tatsächlich noch zum Einsatz. Auf rund 400 Quadratmetern baut das Umweltbildungszentrum mit der Waldklasse der Ganderkeseer Schule am Habbrügger Weg selbst Kartoffeln an. „Die Kinder pflanzen im Frühjahr, harken das Unkraut und sammeln Kartoffelkäfer ein“, sagt Becker-Kückens. „Alles von Hand und ohne Chemie.“ Und nun können die geernteten Kartoffeln auch stilecht mit der Maschine sortiert werden.

Noch bis Ende Oktober ist das Gerät im Einsatz. Dann endet die Erntezeit. „Drei Mal pro Woche haben wir Schulklassen zur Ernte da“, berichtet Becker-Kückens. „Wir wollen zeigen, wie aufwendig der Kartoffelanbau ist“, erklärt die RUZ-Leiterin. So soll die Knolle mehr Wertschätzung bekommen.