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Rettungshunde aus Lemwerder Suchexperten mit feiner Nase trainieren auf Bunker

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 06.12.2017, 08:34 Uhr

Training macht Hunde zu Rettern Verschütteter. Die Hundeführer der Feuerwehr Lemwerder stellen ihre Vierbeiner auf einem Bunker vor ständig neue Aufgaben.

Üben, üben, üben, damit im Ernstfall möglichst wirkungsvoll geholfen werden kann: Das ist Alltag bei den Freiwilligen Feuerwehren. Meist geht es dabei um Sicherheit und Routine im Umgang mit den Geräten für Lösch- und Rettungseinsätze. Bei der Feuerwehr in Lemwerder aber hat sich eine ganz spezielle Truppe zusammengetan: In der Rettungshundestaffel perfektionieren Ehrenamtliche in ihrer Freizeit das in zigtausend Jahren eingespielte Miteinander von Mensch und Hund und bilden die Vierbeiner zu Spürhunden für die Flächensuche und zu Trümmerhunden aus. „Wir haben 23 ausgebildete Hunde und Hunde in Ausbildung. Zehn haben die Flächenprüfung, neun sind als Trümmerhund geprüft und zwei als Mantrailer, die gezielt Spuren eines einzelnen Menschen verfolgen können“, berichtet Ortsbrandmeister Lars Prößler, der Leiter der Rettungshundestaffel.

Spezialisten für Trümmersuche

Eine Spezialität der Rettungshunde aus Lemwerder ist das Aufspüren von Menschen unter Trümmern. So war Prößler im Mai 2015 nach einem Erdbeben mit Spürhund Pollux in Nepal. Und die Rettungshundestaffel war im Dezember 2015 auch in Delmenhorst aktiv, als auf der Baustelle für den Inkoop-Neubau Mauerteile samt Gerüst eingestürzt und fünf Bauarbeiter verletzt worden waren.

Feine Nase, gutes Gehör

„Die feine Nase und das gute Gehör machen den Hund zum wertvollen Helfer“, sagt Hundeführerin Bettina Dogs-Prößler. Zum Rettungshund werde der Vierbeiner aber erst durch dauerndes Training. Deshalb freuen sich die Feuerwehrleute aus Lemwerder, dass die Dreimädelhaus-Wirtin Sigrid Tolck ihnen seit über zwei Jahren ein Grundstück an der Harmenhauser Straße zwischen Bookholzberg und Krögerdorf zum Üben zur Verfügung stellt.

Durchdachte Trümmerlandschaft

Die Löschgruppen bereiten sich hier auf den Ernstfall vor, aber auch die Rettungshundestaffel. Herzstück des Übungsgeländes ist für sie ein alter Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Auf der Decke und rundherum haben die Feuerwehrleute mit Unterstützung von Unternehmen aus der Region eine wüst aussehende, aber durchdachte Trümmerlandschaft aus ausrangierten Bahnschwellen, zerborstenen Kanalrohren, einem Autowrack und anderen Materialien geschaffen. Im Inneren, unter meterdickem Beton, bieten sich unzählige Verstecke für Menschen, die die Hunde aufspüren sollen. Eine Lektion für die Hunde ist die Trittsicherheit auf den vielen schiefen Ebenen im Trümmerfeld. „Die Bauteile werden immer wieder neu arrangiert, damit nichts zur Gewohnheit wird“, erläutert Dogs-Prößler.

Internationale Kontakte

Rettungshundeführer sind auf der Suche nach neuen Herausforderungen für ihre Hunde viel unterwegs, auch international. So waren am vergangenen Wochenende Oxana Morozowa und Denis Laus aus Belgien angereist, um eine Übungseinheit bei den Freunden in Lemwerder zu absolvieren. Shakti und Sheewa, ihre vierjährigen Belgischen Schäferhunde, zeigten nacheinander, dass sie schon gut ausgebildet sind. „Strukturiertes Suchen“ nennt Gastgeberin Dogs-Prößler die behände Art des Durchstreifens des Trümmerfelds. Die Stelle mit der stärksten Witterung „Mensch“ durch meterdicken Beton wird so lange verbellt, bis die Hundeführer vor Ort sind und ihre vierbeinigen Helfer loben.