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Rolf Schütze blickt zurück Leiter der Regio VHS verabschiedet sich nach 35 Jahren

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 25.06.2016, 12:06 Uhr

Rolf Schütze hat sein gesamtes Berufsleben in den Dienst der Erwachsenenbildung gestellt. Jetzt geht der regioVHS-Direktor in den Ruhestand.

Schön an der Erwachsenenbildung finde er, dass sich die Anforderungen ständig veränderten. Auch gebe kein Kultusministerium den Dozenten Lehrpläne vor. Das Beste aber sei: Die Schüler kämen und gingen freiwillig, interessierten sich entsprechend ernsthaft für den Stoff. Spricht Rolf Schütze über Erwachsenenbildung, so sprudelt es geradezu aus ihm heraus. Der Leiter der regioVHS Ganderkesee-Hude hat in seinem Beruf offenkundig seine Berufung gefunden. Nach fast 40 Jahren aber ist nun Schluss: Zum 1. Juli verabschiedet sich Schütze in den Ruhestand.

„Lebenslanges Lernen“ war das Zauberwort

Sein gesamtes Berufsleben hat er in den Dienst der Erwachsenenbildung gestellt. Bereits im September 1981, im Alter von nur 27 Jahren, übernahm er die Leitung der Volkshochschule Ganderkesee, nachdem er drei Jahre als Programmbereichsleiter der VHS in Ibbenbühren gearbeitet hatte. In den Siebzigerjahren, als der gebürtige Osnabrücker in Münster Pädagogik, Soziologie und Psychologie studierte, hätten die Zauberworte der Erwachsenenbildung „kreative Entfaltung des Menschen“ und „Lebenslanges Lernen“ gelautet, erinnert er sich. Zu dieser Zeit sei auch die VHS Ganderkesee entstanden, bei der zunächst, wie fast überall in Deutschland, Kreativwerkstätten neben Sprachkursen im Vordergrund gestanden hätten.

Revolution durch Computer

Doch schon in den frühen Achtzigerjahren habe sich der erste gravierende Umbruch ereignet – mit dem Aufkommen der Personal Computer. „Das hat unsere Arbeit zwei Jahrzehnte maßgeblich bestimmt“, sagt Schütze und spricht von der „neuen Alphabetisierung der Menschen“. Die VHS Ganderkesee sei niedersachsenweit die erste vergleichbare Einrichtung gewesen, die Schulungen in Textverarbeitungsprogrammen angeboten habe. „Heute wird man bereits im Kindergarten an EDV herangeführt“, konstatiert Schütze.

Lichtblick für Jugendliche in den Achtzigern

Eine ähnlich große Herausforderung für die Erwachsenenbildung hat in seinen Augen ab Mitte der Achtzigerjahre die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland dargestellt. Damals habe die VHS Ganderkesee vielen jungen Erwachsenen ermöglicht, ihren Hauptschulabschluss nachzuholen. Außerdem habe die VHS in der Zeit eine Reihe von Jahreskursen in EDV angeboten, nicht zuletzt, um Bürokräfte vor der drohenden Arbeitslosigkeit zu bewahren.

Chance genutzt, Kulturarbeit zu stärken

Seit die Arbeitslosigkeit in Deutschland aber wieder rückläufig sei, hätten sich auch für die Erwachsenenbildung neue Perspektiven aufgetan, sagt Schütze. Damit einher sei in Ganderkesee im Jahr 2004 die Gründung der regioVHS gegangen. Damals habe er mit seinem Team die Chance genutzt, um die regionale Kulturarbeit erheblich zu stärken, was sich etwa in der Gründung des Vereins „Ganter Art“ spiegle, vielleicht aber noch mehr im Kulturhaus Müller. Unter der Leitung der promovierten Kunsthistorikerin Dr. Wiebke Steinmetz habe sich das Kulturhaus als Ort der lokalen Kultur mit regionaler Ausstrahlung etabliert – und ziehe immer mehr Besucher an. Schütze sieht die starke kulturelle Ausrichtung der regioVHS gar als Alleinstellungsmerkmal an.

Wertvoller Beitrag zur Gemeindeentwicklung

Er wünsche der regioVHS, dass sie auch künftig über die notwendige Beinfreiheit für eine sinnvolle Programmgestaltung verfügen möge, sagt Schütze zum Abschied. Die VHS leiste einen wertvollen Beitrag zur Gemeindeentwicklung – und stehe wieder einmal vor einer „Mammutherausforderung“: vor der Schulung und Qualifizierung der vielen Flüchtlinge, die heute in Ganderkesee leben.

Zum 1. September übernimmt der Emsländer Dr. Jens Kohne die Aufgaben Schützes – und wird dabei sicher auch eigene Akzente setzen.