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Rollstuhl-Rallye des A.S.G. Viele Hürden in Ganderkesee für Rollstuhlfahrer

Von Antje Cznottka, Antje Cznottka | 20.05.2016, 08:48 Uhr

Bei einer Rollstuhl-Rallye haben Menschen ohne Behinderungen in Rollstühlen und Rollatoren den Ganderkeseer Ortskern erkundet. Der A.S.G. hatte die Rallye organisiert, um für die Schwierigkeiten zu sensibilisieren, denen sich Menschen mit Behinderungen täglich stellen müssen.

„Ich hänge fest“, ruft Felix Marbach, als er mit seinem Rollstuhl in der Regenrinne an der Rathausstraße hängenbleibt. Er hat wie rund 30 weitere Personen bei der Rollstuhl-Rallye des Arbeitskreises der Selbsthilfe- und Initiativgruppen der Gemeinde Ganderkesee (A.S.G.) mitgemacht.

Rollstuhl-Rallye der A.S.G. durch Ganderkesee

Menschen mit und ohne Behinderung, darunter auch einige Ratsmitglieder und Vertreter des A.S.G., haben sich in Rollstühlen oder mit Rollatoren auf den Weg durch den Ganderkeseer Ortskern gemacht und an verschiedenen Stationen erkundet, welchen Unwägbarkeiten sie sich stellen mussten. „Sie dürfen während der Tour nicht aufstehen. Versuchen Sie, sich in den nächsten eineinhalb Stunden nur im Rollstuhl zu bewegen“, wies Inga Marbach, 2. Vorsitzende der A.S.G., die Teilnehmer ohne Behinderung an.

Schwelle an Rathaustür in Ganderkesee bereitet Rollstuhlfahrern Probleme

Schon an der ersten Station, dem Rathaus, schnauften einige der Rallye-Teilnehmer, die sich zum ersten Mal mit einem Rollstuhl fortbewegten. In den von GanderMed ausgeliehenen Fortbewegungshilfen konnten sie die Türen zum Rathaus zwar über eine Taste automatisch öffnen, allerdings musste dann eine Schwelle mit viel Muskelkraft überwunden werden. „Man muss viel Kraft aufbringen, nur um über kleine Erhebungen zu kommen“, stellte Claudia Erxleben fest. „Ich bin an einem Straßenübergang wegen so einer kleinen Unebenheit schon aus dem Rollstuhl gefallen und habe mir den Arm gebrochen“, berichtete Susanne Steffgen, die tatsächlich auf einem Rollstuhl angewiesen ist.

Abschüssige Straßen werden in Ganderkesee für Rollstuhlfahrer zum Problem

An einigen Geschäften mussten die Rollstuhlfahrer auf Zeit unverrichteter Dinge vorbeifahren, weil ihnen Stufen den Eintritt versperrten. So auch bei der Polizei Ganderkesee. Eine Rampe führt lediglich zu einer Klingel mit einem Schild, das Rollstuhlfahrer auf den Haupteingang des Rathauses verweist. „Es ist erschreckend, dass Rollstuhlfahrer nicht direkt in die Polizeistation kommen“, gab Jens Gause zu.

Kaffee und Kuchen nach Rollstuhl-Rallye in Ganderkesee

Doch auch barrierefreie Wege boten einige Tücken. Die abschüssigen Wege an der Rathausstraße sorgten immer wieder dafür, dass die ungeübten Fahrer auf die Straße oder in Hecken abglitten. „Ich habe morgen sicher Muskelkater“, sagte Felix Marbach am Ende der Rallye voraus. Einen kleinen Trost gab es aber für alle, die die Tour geschafft hatten. Kaffee, Kuchen und die Möglichkeit, sich über das Erlebte auszutauschen, warteten an der letzten Station der A.S.G. -Rallye bei GanderMed.