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Ruhestand ab 1. Februar Rektorin Wieneke verlässt Ganderkeseer Grundschule

Von Thorsten Konkel | 20.01.2016, 07:49 Uhr

Eigentlich wollte Rita Wieneke an einer Hauptschule unterrichten. Später wurde sie an der Ganderkeseer Grundschule Lange Straße jüngste Grundschulleiterin im Landkreis. Am 1. Februar geht sie in den Ruhestand.

Ganderkesee. Als frisch gebackene Hauptschullehrerin mit den Fächern Mathe, Physik und Chemie hatte Rita Wieneke ihre Karriere eigentlich schon geplant – dann kam alles ganz anders: „1973 wurde ich in Delmenhorst von Schulrat Göttlicher plötzlich einer Grundschule zugeteilt“, erinnert sie sich noch bestens. .

„Ein guter Lehrer kann alles!“

„Ein guter Lehrer kann alles!“ Diesen lapidaren Satz bekam die junge Lehrerin daraufhin bei ihrer Verbeamtung an der Grundschule Am Grünen Kamp vom Schulrat zu hören.

Damals sei der Sprung an die Grundschule zunächst eine Herausforderung gewesen. „Ich wurde kurz vor den Sommerferien eingestellt, in den Ferien habe ich mir dann die Grundschularbeit angeeignet“, berichtet sie. Dafür stimmte wenigstens die Richtung auf Anhieb. „Ich hatte bei der Bewerbung die Städte Delmenhorst und Oldenburg sowie den Landkreis Oldenburg angegeben, da mein Vater Bekannte in Varel hatte“, verrät die im Solling Aufgewachsene. Ganz aufs flache Land sollte es dann aber doch nicht gehen. „Doch Schwarzbrot und Tee schmeckten auch in Delmenhorst“, sagt Wieneke.

Kontakt zu Ganderkesee

Schicksalhaft irrtümlich sollte sie gleich bei Antritt ihrer ersten Stelle in Delmenhorst Kontakt mit Ganderkesee bekommen. „Ich hatte mich verfahren und landete im damaligen Ganderkeseer Rathauscafé“, blickt sie zurück. Von der Grundschule Am Grünen Kamp wurde sie später zunächst an die neue Orientierungsstufe an der Pestalozzistraße versetzt. „Acht Parallelklassen unterrichtete ich in Physik“, sagt sie.

Ausbilderin für Mathematiklehrkräfte

Später folgte ein Intermezzo als Ausbilderin für Mathematiklehrkräfte. Doch der Kontakt zu Schülern und Kollegen fehlte. „Also bewarb ich mich für die Konrektorenstelle Am Grünen Kamp - und bekam die Stelle“, so Wieneke.

Doch auch das sollte noch nicht der letzte Schritt auf der Karriereleiter sein: „Trotz gehöriger Unterrichtsverpflichtung und der Leitungsaufgaben sah ich mich nicht ausgelastet“, erinnert sie sich. Deshalb lernte die in Naurwissenschaft starke und in Fremdsprachen damals nicht ganz so belesene junge Lehrerin nach Dienst noch privat Italienisch an der Delmenhorster Volkshochschule. „Auch darum, um mir zu beweisen, dass ich das kann“, sagt sie.

Später Schulleiterin

Dabei knüpfte sie Kontakt zu einem Mitglied des Ganderkeseer Schulausschusses. So hörte sie von der Ausschreibung einer Schulleiterstelle an der Grundschule Lange Straße in Ganderkesee. „Auch diese Stelle bekam ich“, sagt sie. Am 1. Februar vor 33 Jahren trat sie den neuen Job an. Und sie hat damals damit für Furore gesorgt. „Ich war mit gut 32 Jahren damals die jüngste Schulleiterin im Landkreis und dabei eine der ganz wenigen weiblichen Schulleitungen“, erklärt sie. Das habe nicht immer das Wohlgefallen der männlichen Kollegen getroffen, verrät sie. „Einige Menschen kriegen wegen harter Arbeit einen Herzinfarkt, ich hatte es mit dem Rücken“, beschreibt sie die einstigen Mühen.

Das Ziel hat sie nie aus den Augen gelassen

Ihr Ziel hat sie nie aus den Augen gelassen – und mit Erfolg umgesetzt: „Die Schule sollte ein Ort werden, an den Schüler, Eltern und Lehrkräfte immer wieder gerne kommen. Ich glaube, das ist mir ein gutes Stück weit gelungen“, schätzt sie.

Rückblickend hätten sich in den mehr als drei Jahrzehnten sowohl der Lehrerberuf als auch die Anforderungen an die Schüler deutlich verändert, vieles sei komplexer geworden. „Die Grundschule ist nicht mehr nur allein für die Vermittlung von Lerninhalten da“, weiß Wieneke. Vielmehr sei viel Charakterentwicklung und Persönlichkeitsbildung der Schüler vonnöten. „Aber nicht, weil dies im Elternhaus nicht geleistet wird, sondern weil die Kinder immer mehr äußeren Einflüssen unterworfen sind und der Leistungedanke immer weiter Einzug in die Lehrpläne hält“, stellt sie klar. So bietet die Schule seit einigen Jahren etwa das Antikonflikttraining.„Gewaltfrei lernen“ an. Und als Ausgleich zum Leistungsstress sei man an der Langen Straße sehr um den Ausbau der künstlerischen und musischen Erziehung bedacht. Das soll auch Wienekes Nachfolge so beibehalten, wünscht sie sich.

Am 1. Februar geht sie offiziell in den Ruhestand

Denn am 1. Februar geht sie offiziell in den Ruhestand. Verabschiedet wird sie bereits an diesem Freitag im Rahmen einer Feierstunde. Wer die Schule künftig leiten wird, soll im August feststehen.