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Rund 80 Spieler Rollenspieler treffen sich in Ganderkesee

Von Alexander Schnackenburg | 23.06.2015, 19:20 Uhr

Auf dem Ganderik-Gelände in Birkenheide hat es am vergangenen Wochenende ein Rollenspiel der „Drachenhöhle“. Es ging unter anderem darum, „feindliche Mächte mit übernatürlichen Kräften zu besiegen“.

Urschreie schrillen dem Besucher aus dem tiefen Wald des Ganderik-Geländes entgegen, Schreie, deretwegen Spaziergänger üblicherweise möglichst unauffällig die Richtung wechseln und die Polizei alarmieren oder gleich das Militär anfordern. Denn das lauschige Pfadfinder-Areal in Birkenheide schien sich in einen Kriegsschauplatz gewandelt zu haben. Allein die teils historisch, teils futuristisch anmutenden Kostüme der rund 80 Kinder ab acht Jahren, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die da mit Speeren und Schwertern aufeinander eindreschen, beziehungsweise längst am Boden liegen, sorgen schließlich für beruhigende Gewissheit: Hier ist doch keine Schlacht im Gange, sondern ein Rollenspiel.

Ganderkeseer ziehen kräftig mit

Organisiert hatte das ganze Spektakel der Twistringer Daniel Wiese, zum vierten Mal in der Gemeinde Ganderkesee, wahrscheinlich aber nicht zum letzten Mal. Wiese findet nicht nur das Ganderik-Gelände „ideal“ für Rollenspiele. Er hat auch festgestellt, dass die Ganderkeseer kräftig mitziehen. Zwar strömen zu den Spielen der „Drachenhöhle“, wie sich Wiese und sein Team nennen, Spieler aus ganz Norddeutschland herbei. Am Samstag aber, so der Veranstalter, seien rund 30 neue Teilnehmer dabei gewesen – aus Bremen ebenso wie aus Delmenhorst, die meisten aber direkt aus Ganderkesee. Er glaubt, dass die Affinität der Ganderkeseer für Rollenspiele mit der Verbindung zum Fasching zusammenhängt.

Sechs bis acht Rollenspiele pro Jahr

Inspiriert durch seinen Bruder hat Wiese erst vor gut vier Jahren angefangen, Rollenspiele zu organisieren, indem er 14.000 Flyer rund um Twistringen, Bassum, Harpstedt und Syke verteilte, um für seine Sache zu werben. Mittlerweile richtet die „Drachenhöhle“ sechs bis acht Rollenspiele jährlich aus. 20 bis 40 Stunden wöchentlich, so Wiese, investiere er neben seinem Beruf als Fitness-Kaufmann für die Organisation der Rollenspiele. Denn zu organisieren gebe es viel: von den Terminen über die Spielorte, die Verpflegung der Teilnehmer bis hin zu den Kostümen. Um am Ende nicht auch noch Geld durch das aufwendige Hobby zu verlieren, nimmt die „Drachenhöhle“ Teilnahmegebühren: üblicherweise 19 Euro pro Teilnehmer, der im Gegenzug nicht nur mit geeigneten „Waffen“ und Kostümen versorgt wird, sondern auch mit Speis und Trank.

Handlung entwickelt sich während des Spiels

Ein Skript oder einen engen Spielplan gibt es normalerweise nicht bei Rollenspielen dieser Art. Meist, so Wiese, gehe es „um feindliche Mächte mit übernatürlichen Kräften“, die es zu besiegen gelte. Die tatsächliche Handlung aber entwickele sich aus den Improvisationen der Teilnehmer, die im Verlauf des Spiels zusehends an Eigendynamik gewinne. Ein Prozess, der nur selten leise vonstattengeht.