Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Schaden angeblich nicht gesehen Rethorner muss nach Fahrerflucht Führerschein abgeben

Von Ole Rosenbohm | 26.05.2017, 11:37 Uhr

Nach einer Unfallflucht muss ein 45-jähriger Mann aus Rethorn seinen Führerschein abgeben. In der Berufung hatte er keine Chance.

Weil die Ehefrau nach einem schweren Unfall in einem weit entfernten Krankenhaus liegt, wollte der 45-jährige Mann aus Rethorn seinen Führerschein unbedingt behalten. Das Amtsgericht Delmenhorst hatte ihn allerdings wegen unerlaubten Entfernen vom Unfallort neben 30 Tagessätzen auch zu zwei Monaten Fahrverbot verdonnert. In der Berufung vor dem Landgericht Oldenburg wollte er nun das Fahrverbot aufheben lassen. Er hatte aber keine Chance, machte ihm Richter Alexander Wiebe schnell klar.

„Kein Bagatellschaden“

Beim Zurücksetzen hatte der 45-Jährige im April 2016 auf einem Parkplatz einer Pizzeria in Ganderkesee einen Opel Astra angefahren: Stoßstange und Heckschürze beschädigt, im Lack Kratzer, und die Werkstatt stellte später einen Riss fest. Kosten 1238,52 Euro. „Kein Bagatellschaden“, sagte Richter Wiebe. Dennoch fuhren der Mann und sein Begleiter weiter.

Schaden offenbar nicht zu übersehen gewesen

Den Unfall, ja, den habe es gegeben, nicht aber den Schaden, versuchte sich der auf einen Rechtsanwalt verzichtende Angeklagte herauszureden: „Wir sind ausgestiegen und haben geschaut – kein Schaden, kein Kratzer, nichts“, beteuerte er. Vielleicht wollten die Männer auch nichts sehen – sie hatten es wohl eilig, waren auf dem Weg zu einem Verkaufstermin. Andere Zeugen allerdings erkannten die Beschädigungen sofort. Sie seien nicht zu übersehen gewesen, heißt es auch in der Urteilsbegründung des Amtsgerichts.

Angeklagter verzichtet auf Verfahren

Wiebe sah so für den Angeklagten keine Möglichkeit zum Erfolg. Er sei ohnehin nur leicht bestraft worden, sagte er. Auf einen kompletten Führerscheinentzug etwa verzichtete das Amtsgericht wohl auch, da der 45-Jährige nicht vorbestraft und auch nie bei Verkehrsdelikten aufgefallen war. Aber bei so einem Unfall „müssen Sie die Polizei verständigen oder zumindest jemandem Bescheid sagen“, sagte Wiebe und riet dem Angeklagten, die Berufung zurückzunehmen: Bei dieser Sachlage könne er nicht anders urteilen als das Amtsgericht. Der Angeklagte verzichtete so aufs Verfahren. Jetzt wird er seinen Führerschein abgeben müssen und die Fahrten zu seiner Frau mit Bahn und Bus tätigen müssen.