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Schaffermahl in Wildeshausen Pistorius warnt in Wildeshausen vor Populisten

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 16.03.2016, 22:29 Uhr

Innenminister Boris Pistorius hat beim Schaffermahl in Wildeshausen mit einer humorvollen Rede geglänzt. Er warnte eindringlich vor Populismus à la Trump und AfD.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius trägt seit Mittwoch Abend den Papagoy am Revers. Jens Kuraschinski, als Bürgermeister der Stadt gleichzeitig Gilde-General, heftete dem Politiker den Wappenvogel der Wildeshauser Schützengilde zum Auftakt des Schaffermahls im historischen Rathaus in Erwartung einer zündenden Festrede an die Jacke. Die Wildeshauser wurden nicht enttäuscht. Der Gast aus Hannover mit Wohnsitz in Osnabrück verpackte politische Spitzen geschickt in humorvolle Sätze zu Aktualitäten und Wildeshauser Besonderheiten.

Trump kommt nicht als Präsident“

Durch die Blume warnte Pistorius davor, Populisten wie dem US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump oder der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry auf den Leim zu gehen. „Die AfD hat Flüchtlinge“, so der Sozialdemokrat, „Flüchtlinge vor Anstand, Moral, Verantwortung, Offenheit und bei einigen vor dem Licht.“ Werde Petry als Festrednerin zum Schaffermahl eingeladen, sieht Pistorius Ansteckungsgefahr „wegen der AfD-Allergie gegen Zahlen und Fakten.“ Trump dagegen könne ruhig eingeladen werden. „Wenn er kommt, dann nicht als US-Präsident“, prophezeite der Minister.

Feier mit 150 Gästen

Die Gilde feierte das Schaffermahl im Kreis von 150 Gästen aus der Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Gilde-General Kuraschinski begrüßte besonders den Gilde-König Oliver Rosemeier und den Schaffer Martin Posenauer als aktuelle Repräsentatnten der Gilde. Ernst Frost verabschiedete sich der Satzung gemäß nach zehn Jahren als Oberst der Gilde. In seinem Rückblick auf die Zeit als Chef des Offizierskorps benannte Frost auch das Verdienst der Gilde, 2014 das fast bankrotte Griechenland aus den Schlagzeilen geholt zu haben. „Wir wollten eine Woche lang das Gildefest auf der Akropolis feiern, und – schwupp – war von Griechenland nichts mehr zu lesen“, erinnerte Frost.

Zu Gilde-Partei geraten

So viel Lösungskompetenz der Gilde habe er nicht erwartet, bekannte Festredner Pistorius. „Wir alle haben geglaubt, Mutti hat das gemacht“, sagte er. Kanzlerin Merkel käme bei einer Einladung gewiss nach Wildeshausen, meinte er: „Zum Schaffer-Mahl, um ,Wir schaffen das‘ in die Tat umzusetzen.“ Er empfahl der Gilde, eine eigene Partei auf der Grundlage Oldenburger Tugenden zu gründen, damit auch die AfD aus den Schlagzeilen verschwindet. Dass Wildeshausen eine Stadt mit Willkommenskultur ist, hat der Minister schon im alten „Wildeshauser Lied“ von Heinrich Benecke entdeckt: Er zitierte die Zeilen „Denn seine Bürger, bieder, brav//Bring’ stets ein offenes Herz dir dar“.