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Schlagerstar aus Ganderkesee Bei Renate Kern öfter an der Haustür geklingelt

Von Dirk Hamm | 19.02.2016, 16:11 Uhr

Vor 25 Jahren endete das Leben der Sängerin Renate Kern tragisch: Der von Depressionen geplagte Schlager- und Countrystar aus Hoyerswege nahm sich das Leben.

Ihre Lieder handeln von Liebe und Glück, Sommer und Sonne, verbreiten eine hoffnungsvolle Botschaft: „Die Welt ist so schön wie ein Traum“, „Alle Blumen brauchen Sonne“, „Morgen früh lachst du schon wieder“, so lauten einige der Songtitel, mit denen Renate Kern in den späten 60er, frühen 70er Jahren beachtliche Erfolge in der Welt des deutschen Schlagers feierte. Doch was Außenstehende nicht sehen konnten, waren die Frustrationen und Enttäuschungen, die an der in Wildeshausen aufgewachsenen Künstlerin zehrten. So endete ihr Leben tragisch: Am Morgen des 18. Februar 1991 wurde sie tot im Nebenhaus auf ihrem Grundstück Auf dem Berge in Hoyerswege aufgefunden. Die Sängerin hatte sich im Wohnzimmer erhängt.

Als Nancy Wood anfängliche Erfolge in der Countrymusik

Nachdem ihr Erfolg als Schlagerinterpretin abgeebbt war, erfand sich Renate Kern musikalisch noch einmal neu. Mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme wagte sie sich in das Genre der Countrymusik, und unter ihrem neuen Künstlernamen Nancy Wood konnte sie auch hier anfänglich einige Duftmarken setzen, schaffte 1981 mit „Imagine That“ gar den Sprung in die US-Country-Charts. Doch letztlich blieb ihr der ganz große Durchbruch versagt, Depressionen gewannen zum Schluss die Oberhand.

Dass Renate Kern in der Öffentlichkeit als ein Star zum Anfassen galt, kann Rainer Vosteen gut nachvollziehen. Der aus Hoyerswege stammende Tischler ist nur gut einen Kilometer von ihrem Haus entfernt aufgewachsen. „Sie hatte kein Stargehabe, war hier in Hoyerswege auch mal bei Feierlichkeiten des Ortsvereins dabei“, erzählt der 53-Jährige. In seiner Schulzeit habe er auf dem Heimweg oft an ihrer Haustür geklingelte, und nicht selten habe sich die Prominente selbst blicken lassen und dem neugierigen Buben eine Autogrammkarte gegeben.

Ein fester Platz für Renate Kern im Heimatmuseum

Die Stücke sind heute neben LPs, Singles und Zeitungsausschnitten Teil einer umfangreichen Sammlung, die Rainer Vosteen nach dem Tod Renate Kerns begonnen hat. Ursprünglich war er nicht wirklich Fan ihrer Musik, er wollte lediglich aus Interesse an ihrer Biografie immer mehr über sie wissen. Und so ist er dann doch noch auf den Geschmack gekommen: „Inzwischen mag ich auch ihre Lieder.“

Seit 2003 haben Rainer und Vater Rudolf Vosteen eine alte Scheune auf dem Grundstück der Familie in Schlutter schrittweise in ein kleines Heimatmuseum umgewandelt. Darin durften, darin war man sich bald einig, auch Materialien zu Lebensweg und Karriere der Sängerin nicht fehlen: „Sie lebte im Dorf, also gehört sie auch in das Museum.“

Nur eine Plattenhülle fehlt noch in der Sammlung

So finden sich in der inzwischen fast aus allen Nähten platzenden Sammlung neben so unterschiedlichen Objekten wie einer alten Schusterwerkstatt und betagten Röhrenfernsehern auch von Renate Kern/Nancy Wood besungene Schallplatten. Auf Flohmärkten und im Internet hat Rainer Vosteen alle in Umlauf gebrachten Singles und Alben sowie Muster für die Radiosender – 66 an der Zahl – ergattert. Ein Teil, das noch nicht erstanden werden konnte, hält den Sammlertrieb in Sachen Renate Kern weiterhin wach: Im Bestand fehlt die Hülle ausgerechnet der allerersten Single.