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Schraubertag im „Kaffeepott“ Bookholzberger Jugendtreff öffnet nur für Jungen

Von Tina Spiecker | 30.11.2015, 15:14 Uhr

Fußball spielen, basteln, werken, oder mit den Kumpels einfach nur „abhängen“: Ein Mal im Monat ist der Jugendtreff „Kaffeepott“ am Schulzentrum in Bookholzberg komplett in Jungenhand. Mädchen sind an diesem Nachmittag dort ausnahmsweise nicht erwünscht.

Was zunächst, milde ausgedrückt, „ungerecht“ erscheint, erklärt sich schnell in Hinblick auf die pädagogische Arbeit, die dahinter steckt. „Bei der Jungenarbeit geht es um die Darstellung von Männlichkeitsbildern und der Bildung einer eigenen geschlechtlichen Identität“, erklärt Hannes Drygala, der den Jugendtreff leitet. Dabei würden auch langfristige Ziele verfolgt, wie die Förderung sozialer Kompetenzen, Persönlichkeitsentwicklung und der Umgang mit Streit und Gewalt, so der Sozialpädagoge weiter. „Es gibt viele Jungen, die ohne männliche Bezugspersonen aufwachsen, ihre Väter wenig oder gar nicht sehen“, erklärt der Experte. Das führe in gewissen Situationen zu Orientierungsproblemen und Unsicherheiten. Zumal als Ersatz Vorbilder gesucht würden, wie in den Medien dargestellte Superhelden ohne Schwächen und Fehler, die mit der Realität nichts zu tun hätten. „Wir versuchen zu vermitteln, was Mann-sein wirklich bedeutet“, so Drygala. „Die Mädchen kommen übrigens nicht zu kurz“, versichert Drygala. Für sie gebe es regelmäßig die „Mädchentage“ mit ähnlichen Angeboten.

Pädagogischer und rein praktischer Nutzen

Wie auch die Mädchentage stehen auch die Jungstage immer unter einem anderen Motto. Am Freitag, 27. November, war zum „Schraubertag“ geladen worden. Dieser sollte neben dem pädagogischen auch einen rein praktischen Nutzen haben. „Ich habe festgestellt, dass zu dieser Jahreszeit viele Jugendlichen mit defekten Rädern unterwegs sind, oft ohne Licht. Darum bieten wir den Schraubertag als eine Möglichkeit, hier mit Unterstützung das Rad zu reparieren“, sagt Drygala. Aber auch andere fahrbare Untersätze, wie Skateboard oder Roller, würden wintertauglich gemacht.

Ruhigere Atmosphäre

Der Jungentag im Jugendzentrum „Kaffeepott“ wird seit mehr als zwei Jahren regelmäßig angeboten. Kinder, Jugendliche und auch junge Erwachsene im Alter von zehn bis 20 Jahren nutzen das Angebot. „Das Angebot ist vielfältig und es wird oft im Plenum entschieden, was wir anbieten. Zu den Themen zählten bis jetzt unzählige Turniere in verschiedenen Sportarten, das gemeinsame Diskutieren von wichtigen Themen, Kochkurse und vieles mehr“, so Drygala. „Wenn Mädchen nicht dabei sind, ist die Atmosphäre entspannter. Die Jungen sprechen auch über Dinge, die sie im Beisein von Mädchen nicht erwähnen würden. Insgesamt ist es deutlich ruhiger, weil sich die Jungen nicht vor den Mädchen beweisen müssen“, erklärt Drygala. Für die pädagogische Arbeit sei diese Zeit wichtig und wertvoll.