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Schwere Körperverletzung Mit Schere zugestochen: Großenkneter muss hinter Gitter

Von Alexander Schnackenburg | 22.12.2015, 19:33 Uhr

Es war kein versuchter Totschlag, wohl aber gefährliche Körperverletzung. So beurteilt das Landgericht Oldenburg die Straftat eines 20-jährigen Mannes aus Großenkneten, der im August dieses Jahres auf einem Dorfplatz in Ahlhorn mit einer Schere auf einen angehenden Kfz-Mechaniker eingestochen hatte. Am Dienstag hat das Gericht den Angeklagten deswegen zu einer Jugendfreiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Der vorsitzende Richter, Dr. Dirk Reuter, sprach in seiner Urteilsbegründung von einem „schwierigen Fall“, da dem Gericht die Aussagen fast aller Zeugen unglaubwürdig erschienen seien. Dem Geschädigten, der als Nebenkläger aufgetreten war, warf das Gericht gar Falschaussagen vor.

Schere gezückt und zugestochen

Täter und Geschädigter seien sich nicht, wie Letzterer behauptete, zufällig auf dem Dorfplatz begegnet, auch habe der Nebenkläger dort keinen Streit schlichten wollen. Vielmehr sei er aufgrund eines Anrufes des Angeklagten vor Ort erschienen, um diesem dort für zehn Euro Marihuana zu verkaufen. Bei dem anschließenden Streit, im Zuge dessen der Angeklagte seine Schere gezückt und sechsmal auf sein Opfer eingestochen hatte, sei es um die Qualität der Drogen gegangen, so Reuter.

Trotz schwerer Verletzungen selbst aus Krankenhaus entlassen

Das Gericht, erklärte der Vorsitzende weiter, habe diesen Tathergang vor allem aufgrund der Aussagen eines Begleiters des Angeklagten rekonstruiert, welcher den Richtern von allen Zeugen noch am glaubwürdigsten erschienen sei – auch deswegen, weil sich die Aussage dieses Zeugen mit dem Verhalten des Geschädigten nach der Tat in Einklang bringen lasse. Trotz schwerer Verletzungen hatte sich dieser binnen Kürze sowie gegen den Rat der Ärzte selbst aus dem Krankenhaus entlassen und wollte die Polizei heraushalten.

Angeklagter hat sich „extrem gefährlich“ verhalten

Gleichwohl, so Reuter, dürfe man die Opfer- und Täterrollen nicht vermischen. Der Angeklagte habe sich „extrem gefährlich“ verhalten.

Dass er den Geschädigten mit der Schere gar hat töten wollen, schloss Reuter nicht aus, erklärte aber, dass es sich nicht beweisen lasse und daher von dem ursprünglich seitens der Staatsanwaltschaft vorgetragenen Vorwurf des versuchten Totschlags abzusehen sei. Reuter charakterisierte den Täter als Heranwachsenden mit „erheblicher Reifeverzögerung“. Deswegen habe ihn das Gericht nach dem milderen Jugendrecht verurteilt.