Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Seit über zehn Jahren aktiv Tonstudio in Bookholzberg: Liebe zur analogen Technik

Von Alexander Schnackenburg | 24.08.2015, 17:44 Uhr

Mit dem „Hörwerk“ gibt es in Bookholzberg ein professionelles Tonstudio, das auf analoge Technik setzt. Inhaber Andree Klose schwört auf den natürlichen Klang.

Noch heute hat Andree Klose das Bild vor Augen: jenes des inzwischen verstorbenen Akustikers Heinrich W. Lüdeke mit der Schreckschusspistole im Anschlag.

Denn mit der Pistole und einem Bandgerät hat Lüdeke ihm einst geholfen, das Tonstudio „Hörwerk“ in einer Gewerbehalle der Harmenhauser Straße 35c in Bookholzberg zu vermessen: nach den klassischen Gesetzen der Schalllehre und mit eben jenen feinen Ohren, dank derer Lüdeke Klangästheten im ganzen Bundesgebiet als Kapazität galt, weit über die Zeit seines Wirkens für Radio Bremen mit seinem legendären Studio F, dem Sendesaal, hinaus.

Natürlicher Klang

Klose liebt die analoge Technik, den natürlichen, weil unverfälschten Klang, Töne, die sich im Raum entfalten können. Auch deshalb leistet er sich im „Hörwerk“ einen immerhin 65 Quadratmeter großen Aufnahmeraum. Wer weniger Wert auf den Klang lege und statt dessen seine Aufnahmen mit allerlei Tricks am Computer optimiere, komme mit wesentlich weniger Platz aus, räumt Klose unumwunden ein. Allein: Davon halte er nicht viel.

Grammy-Preisträger David Evans aus Memphis hat im „Hörwerk“ aufgenommen

Obschon Klose auch über die notwendige Computertechnik verfügt, um den Sound einer Band nachträglich gründlich „aufzupeppen“, liegt der Schwerpunkt seines „Hörwerks“ doch auf der analogen Technik – und der Erfolg gibt ihm durchaus Recht. Klose arbeitet eng dem Label „Blind Lemon Records“ zusammen. Künstler wie der Grammy-Preisträger David Evans aus Memphis und die Norwegische Band Depui haben ebenso bereits im „Hörwerk“ aufgenommen wie die renommierte deutsche Blues-Band „B. B. & The Blues Shacks“. Hinzu kommen lokale Größen wie „Jeremiad“ aus Delmenhorst, „Flwoin Immo“ aus Bremen und viele andere.

Schon als Jugendlicher in Bands Gitarre gespielt

Bereits als Jugendlicher, erinnert sich der heute 43-jährige Klose, habe er in verschiedenen Bands Gitarre gespielt und diese Musik gern auf einem Vierspur-Rekorder aufgezeichnet – offenbar zum Wohlgefallen der Szene: Befreundete Bands hätten ihn damals gebeten, auch ihre Stücke aufzunehmen. Später, parallel zum Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen, habe er sein Hobby sukzessive professionalisiert, zusammen mit einem Kumpel die „Rauschmeister Tonproduktion“ in Göttingen eröffnet. Das nötige Geld fürs Studio hatten die beiden aus diversen Nebenjobs zäh angespart.

„Berlin war mir einfach zu groß“

Später verschlug es Klose nach Berlin. Dort aber habe er sich nicht wohlgefühlt, sagt er rückblickend: „Berlin war mir einfach zu groß“, so der gebürtige Bremer, der in Achim aufgewachsen ist.

Inzwischen sitzt Klose seit „elf oder zwölf Jahren“ mit seinem „Hörwerk“ in Ganderkesee. Sein Tonstudio läuft, wenn auch die Goldenen Zeiten der Branche, wie er festgestellt hat, vorüber seien. Die Preise, die er für seine Dienste als Produzent, beziehungsweise Tontechniker und das Studio nimmt, seien „budgetorientiert“ und zudem abhängig davon, wie lange ihn eine Band buche. Als Hausnummer nennt er dennoch einen Tagessatz von 400 Euro.