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Selbsthilfegruppe in Ganderkesee Wie Diabetiker zu Weihnachten in Maßen schlemmen können

Von Ole Rosenbohm | 16.12.2018, 18:32 Uhr

„Zuckerkrank“, diese Diagnose erhielt Thomas Franzki mit 39 Jahren. Heute hilft der 73-Jährige Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe. Franzki weiß auch, wie Diabetiker die Feiertage meistern.

Thomas Franzki ist 73, mit 39 erhielt er die Diagnose „Typ-2-Diabetes“, der häufigsten Form der Zuckerkrankheit, die eigentlich eine Stoffwechselkrankheit ist. Er erhielt seine Diagnose in einer Zeit, als die Ärzte eher an ihm „rauf und runter experimentierten“, anstatt wirklich zu helfen.

Und erst viel später beim Facharzt lernte er, wie er zu leben und zu essen hat.

„Diabetiker“, sagt Franzki, „dürfen zwar alles essen, sie müssen aber wissen, wie sie es ausgleichen“.

Diabetiker müssen rechnen können

Dafür müssen sie rechnen können. Wenn Franzki etwa normal isst, weiß er, braucht er zurzeit 18 Einheiten Insulin morgens, 16 mittags und zwölf abends.

Jetzt steht Weihnachten vor der Tür, und Franzki rechnet eher mit 60 Einheiten für Hirschbraten, Klöße und Alkohol. Kompliziert sei das für Außenstehende, „aber irgendwann hat man das automatisch drin“, sagt er.

Vor allem der Stollen hat es „gewaltig in sich“ – in ihm ist alles, was schlecht ist für Diabetiker: Kohlenhydrate in Form von weißem Weizenmehl, Zucker, jede Menge Butter, deren Fett sich im Körper in Zucker wandelt und den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt.

Der Stollen findet sich als Thema auch beim monatlichen Gruppentreffen der Diabetes Selbsthilfegruppe Ganderkesee (SHG).

Selbsthilfegruppe trifft sich in Ganderkesee

Jeden zweiten Montagabend im Monat, ab 19 Uhr, treffen sich bei der Admic GmbH um die 20 Betroffene – um sich zu informieren, über neue Erkenntnisse oder die neuesten Blutzuckermessgeräte auszutauschen. Auch, um sich gegenseitig zu schulen über die vielen Möglichkeiten, der Krankheit zu begegnen und um den inneren „Schweinehund“ besser überlisten zu lernen.

„Diabetes ist keine schlimme Krankheit“, sagt Franzki, sie kann aber schlimme Folgen haben: Sehstörungen oder der bekannte diabetische Fuß, der am Ende sogar amputiert werden kann, dazu das hohe Schlaganfallrisiko.

Die Krankheit ist heimtückisch. Informiert sein gehört zur Therapie – es ist kein Wunder, dass die Mitglieder der Gruppe so regelmäßig kommen. Franzki hat die Selbsthilfegruppe, die heute als Verein organisiert ist, 2010 gegründet und leitet manche Abende, wie zuletzt den übers Weihnachtsessen, immer noch. Im Januar referiert eine Diabetologin über hohen Blutdruck, im Februar ein Versicherungsexperte über Kostenübernahmen durch Krankenkassen. Wichtige, fast lebenswichtige Informationen. Nächstes Jahr wollen sie über das Weihnachtsmenü nicht nur sprechen, sondern gleich eines kochen.